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manches gearbeitet, aber besonders unglaublich viel Lesestoffaus alter und neuer Zeit in sich ausgenommen. „Ich habeso uiel und über so vieles gedacht, iu all der Zeit", sagteer mit dem Ausdruck tiefen Schmerzes, „und möchte michso gerne noch darüber aussprechen". Seine Konversationwar vortrefflich, immer reich genährt und fließend, dabeifür die Gegenrede dankbar uud empfänglich im höchstenGrade. Sie war mehr gebauten- als geistreich; er hatteviel Sinn für Humor, ohue desseu viel zu produziere«.Das ironische über den Dingen Schweben war sein Streben,aber Sarkasmus blieb ihm fern. Er geHörle zu denMenschen, von denen die Rvbinsonade des reifen Lebenssich träumend ausmalt, wie schöu es wäre, sie einem Konviktauserlesener Freunde einzuverleiben, mit denen man einbeschauliches Daseiu führen könnte. Denn er hatte auchdie Eigenschaften des Herzens und die Liebenswürdigkeitdes Umgangs, welche dazu gehören. Allem Pathetischenwiderstrebend, hatte er einen wahrhaft zärtlichen Sinn,und die Freundlichkeit der romanischen Verkehrsformengab diesem Sinu die zugleich wohl bemessene uud dochwarme Ausdrucksweise. Er genoß viel Freuudschast undpflegte sie; er gehörte zu denen, welche leicht ganz lieben oderganz verwerfen. Der, dem er wohl wollte, mußte auf derHut sein, sich nicht für all das zu halteu, was sein enthu-siastisches Auge an ihm gewahrte. Am schönsten war es,wenn er einem guten Kameraden die Honneurs des histo-rischen und artistischen Florenz machen konnte. Hier kannteer die Geschichte jedes Gemäuers, und unter seinem Kom-mentare singen die Steine an, zu lebeu uud zu reden.Auch hatte er die für warmherzige Meuscheu charakteristischeLiebhaberei, die, welche er gern hatte, uuter einander be-kannt inachen zu wollen. So war es ihm einst, wofür ichihm stets dankbar bleiben werde, eiu wahres Fest, mich