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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
176
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man für die künftigen Entscheidungen einen solchen vvrer-ziehen ivill, wenn schon beides zusammenhängt. Diearistokratisch-republikanische Auffassung eines Tacitus , dierationalistisch-ironische eines Gibbon, selbst die whiggistisch-gesättigte eines Macaulcui, die revolutivnstrunkene einesLouis Blane oder die romantisch-antvritäre eines HeinrichLeo sind alle nur die aus einem bestimmten Geistesspiegelzurückgeworfenen Bilder: nnd selbst derjenige unter denmodernen Historikern, welcher an gewollter EinseitigkeitTreitschke am ersten vergleichbar erscheint, Jansen, bleibtdoch immer noch Historiker, weil sein Geist, wenn auch mitschärfster vorgefaßter Anstrengung, daraus gerichtet ist, Rechtund Unrecht, Vernunft und Unvernunft, Nutzen und Schadenmenschlicher Handlungen in einem besonderen Lichte hervor-treten zu lassen. Will man sich nach Mustern umschauen,die einige nähere Verwandtschaft mit Treitschke zeigen, unddiese Vergleichung tritt ihm gewiß nicht zn nahe ^ sowären am ehesten noch Carlule und Taine zn nennen. Aberwenn auch beide mit ihm gerade die Eigentümlichkeit gemeinhaben, daß sie sich im Verlauf ihrer kritisch-historischen Feld-züge zu immer wachsendem Groll steigern, so erreichen siedoch das deutsche Ebenbild lange nicht im Maße dergrimmig verzerrenden Manier.

Unter den Versuchen, den Menschengeist dnrch systema-tische Belehrung über Welt und Wissen einem besonderenZwecke dienstbar zn machen, giebt es nur eiuen, allerdingseinen großartigen, welcher darin weiter geht als uuser nationalerGeschichtsschreiber, das ist der Jesuitismus. Es ist keinZufall, daß unter TreitschkeS Feder das WortZucht" sooft wiederkehrt. Das Wort ist hier ganz in dem strengenSinn gemeint, ivie das Ideal der Unterwerfung des selbst-ständigen Denkens unter eine auf Eroberung der Weltausgehende Gesellschaft sein System ausgebildet hat. Es