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ist auch kein Zufall, daß von der „Vernunft", von aufVernunft gegründeten Rechts- und Staatsverfassungenüberall mit einer an Affektativn grenzenden Verachtung ge-sprochen wird. Hier wie dort wird die Gescunmtheit derGläubigen als ein Heer in Waffen gedacht, und diemilitärische Ordnung ist Grundstein wie Vorbild der ganzenStaatsordnung. Man muß sich ferner daran eriuneru,daß unser Schriftsteller in seinen wissenschaftlichen Arbeitenimmer zunächst vom Katheder ausgeht, die Jugend sinnlichund geistig vor Augen hat und, wie die Gesellschaft Jesu ,mit der Schulung der jungen Köpfe die dauernde Ver-brüderung der aus der Schule in die Welt entsendetenZöglinge ins Auge faßt. So erklärt sich auch, daß,seitdem unter dem Einfluß dieser Richtung die Züchtungeines eng umgrenzten Staatsideals auf deu Universitätenmit klarem Bewußtsein verfolgt wird, die von ihr be-günstigten Studentenverbindungen eine früher nicht da-gewesene praktische Bedeutung für das spätere bürgerlicheLeben gewonnen haben. Zwar umfassen die Korpsver-bindungen die Minderheit der studierenden Jugend. Aberdas thut ihrer Macht im Leben keinen Eintrag, kommt ihreher zu Nutze. Die weltliche Verfeineruug, deren Aufwandden Eintritt ins Korps erschwert, ist auch ein bewährtesMittel der jesuitischen Ausbildung, und je enger der Keilzusammengehalten wird, desto sicherer dient er dem Zweckder praktischen Ausnützung im Leben. Früher suchtesich der Student seine Verbindungen nach dem Zufall derNeigung und des Herkommens. Aber jetzt ist, wie dasStudium selbst immer mehr auf den weltlichen Erfolg ge-richtet wird, sogar die Lust und Laune des jugendlichenUebermuts in diesen Dienst gestellt. Es ist eine bekannteThatsache, daß neuerdings die jungen Leute ihre Korps-verbindungen mit Rücksicht auf ihre spätere Beamten-Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. II. II