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tritt uns hier als das einzige und unfehlbare Heil desdeutschen Volkes entgegen. Die ganze deutsche Geschichtedient lediglich zum Beweise dieser dogmatischen Wahrheit,deren Unfehlbarkeit in den kleinsten Zügen an Frennd undFeind bewiesen wird, und deren Nutzanwendung daraufhinweist, wie auch die Zukunft diesem unangreifbarenDogma angepaßt werden müsse. Die persönliche Ent-wicklung des Verfassers liefert den einfachen und unwider-leglichen Nachweis dafür, daß mit dieser Schilderung seinGedanke richtig gekennzeichnet ist. Aus dem Publizisten,der im Bunde mit den deutschen Liberaleu der fünfzigerund sechziger Jahre in dem preußischen Staat das unterden obwaltenden Umstäudeu allein gegebene Werkzeug fürdie Herstellung eines geeinten modernen deutschen Staats-wesens erblickte, ist der Mystiker geworden, welcher den inder Tagespolitik seiner Sinnesweise entsprechenden Platznur noch im Schatten der Kreuzzeitungspartei zn findenweiß. Es ist kein Geheimniß, daß sein Austritt aus derRedaktion der von ihm begründeten „Preußischen Jahr-bücher " sich damit erklärt, daß Verleger und Mitarbeitersich weigerten, dieselben zu einem Organ der Kreuzzeitungs-partei zu machen; und das jüngst erfolgte persönliche Auf-treten in einer Berliner Wahlversammlung zu Gunsteneines scharf ausgeprägten Vertreters derselben Partei ent-springt, ebenso wie der Inhalt der bei diesem Anlaß ge-haltenen Rede, dem inneren Bedürfnis, jeden Zweifel nachaußen zu beseitigen. Wir haben es also fortan mit einergeschichtlichen Richtung zu thun, welche schlechthin in denultraorthodox-lutherisch-monarchisch-absolutistischen Mysti-zismus mündet.
Da Treitschke eine durch uud durch militirende Naturist, so entspricht es gewiß seinem eigenen Sinn, daß seinpersönlicher Entwicklungsgang zur Beurteilung seines
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