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2 (1894) Charakteristiken
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Werkes mit hereingezogen wird. Wir müssen uns über-haupt glücklich schätzen, wenn wir einen solchen unfehlbarenSchlüssel für deu Ausgangspunkt eines urteilenden Zeugenauffinden können. Wie viel besser stünde es nur unser ge-stimmtes historisches Wissen, wenn uns viele dergleichen un-trügliche Einblicke in die Geisteswerkstätte der alterenAutoritäten vergönnt wären!

Aber noch ganz Anderes fällt hier ins Gewicht, alsdas menschlich subjektive Verhalten des Künstlers zu seiuerSchöpfung. An derselben Stelle nistet zugleich der un-überwindliche Widerspruch zwischen dem behandelten Stoffund seiner Behandlung; hier sitzt das Uebel, an welchemsich das Krankhafte nachweisen läßt.

Es ist schon recht schwer, man könnte, wenn in derPsychologie das Wort nicht ausgeschlossen? wäre, sageu un-möglich, zu begreifen, wie ein Mann von solchen Gaben,und im Besitz eines solchen Materials, das er so an-schaulich gruppirt auf seiner kritischen Tenne dnrchwürfeltunter den Händen hat, zu einem so wunderlich dürftigenSchluß kommen mag; wie er an der ultima Thnle landenkann, wo die ganze moderne Entwicklung des deutschen Volkes,und aller auderen Völker, nachträglich sür totgeboren er-klärt wird. Vom Staudpunkt der alteu Kreuzzeituugs-partei ist diese Negation, dieser harte Widerstand konsequent.Sie erkennt eigentlich nichts in dem Gewordenen an, weilsie das Werden selbst von Anbeginn verworfen hat, undheute noch verwürfe sie das Gewordene, wenn sie es ver-möchte. Wo sie sich mit den Thatsachen abfindet, ist esnur um der Unabänderlichkeit willen, hie und da iveil mangute Mieue zum bösen Spiel machen muß; sauersüß bleibtdie Miene doch. Wer an öffentlichen Staatsfeiertagen durchdie Straßen Berlins wandert und von diesem oder jeneniHause statt der drei Reichsfarbeu die schwarz-weiße Fahne