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herausraaen sieht, kann sich sagen, das; dahinter jener korrekteStandpunkt wohnt, welchem eigentlich lieber wäre, es wärein den letzten fünfundzwanzig Jahren überhaupt nichtsgeändert wordeu. Eine Auwaudlung von dieser Stimmungbrachte auch bekanntlich König Wilhelm I. noch in den Prunk-saal von Versailles mit, wo er zum Kaiser ausgerufenward, und es ift wohl zeitlebens ein Niederschlag davonin seinem Gemüt zurückgeblieben. Daran, daß diekleine aber mächtige Zahl der Verehrer des absolutenpreußischen Königtums heute gelegentlich auch mit derdeutsch -natioualen Losuug um sich wirft, braucht man sichnicht zn stoßen. Seitdem Fürst Bismarck ihnen das agrarischeThor zu seinem Herzen so sperreweit wieder geöffnet hat,haben sie mit dem nationalen Beiwerk so glänzende Ge-schäfte gemacht, daß es ihnen auf eiue Wagenladung großerWorte mehr oder weuiger uicht anzukommen braucht.
Äber wer die deutsche Geschichte der letzten achtzigJahre schreibt und, trotz aller schließlich eingenommenenextremen Parteistellung, uicht um zu zeigen, daß alles schiefgegangen und mißraten ist, nicht um zu zeigen, daß besserüberhaupt nichts geschehen wäre: wer vielmehr umgekehrtals letztes ganz vernünftiges Postulat die Freude am Vater-land, wie es geworden, aufpflanzt; wer die ganze Kette derkleinen nnd großen Evolutionen forschend und prüsend durchdie Finger lausen ließ, um zu zeigen, ivie alles uud jedesgekommen ist, — der kann doch unmöglich dies alles mühe-voll nnd in einem gewissen Sinne mich liebevoll zustandegebracht haben, um zu dem Schluß zu gelangen, daß daszuletzt als vernünftig begrüßte Endergebnis und die zurgerechten Freude auffordernde Gestaltung der Dinge auslauter Unvernunft hervorgegangen sei. Denn wozu wäredenn die Vernunft da, wenn das alles lediglich mit Hilfeder puren Unvernunft zustande gekommen wäre? Wer