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mehr univahrscheinlich an der Erzählung Leopold vonKoburgs, daß vor der Schlacht bei Leipzig der König nichtausrücken wollte, so lange er nicht vom Kaiser von Rußland über die anzulegende Uniform Befehl erhalten hätte.
Die Freude am Paradoxen gehört für jeden, derTreitschkes litterarische und oratvrische Thätigkeit verfolgthat, zu dessen hervorstechenden Anlagen, mit der Freude dasGeschick dazu. Seine rhetorische Gelenkigkeit, und er ist einausgezeichneter Rhetor, hat sichtbar ihr Pläsir daran, eineprovozierende Behauptung recht tief in das Fleisch desAndersdenkenden hineinzubohren und dann noch einmal dieKlinge um und um zu drehen, bis daß der Verletzte aus-schreit. Vorher ist dem Fechter nicht wohl; das gehört zurBesonderheit seines aus Trotz und Humor zusammengefaßtenNaturells. Damit hängt offenbar auch sein Wohlgefallenan einem lustigen und unbarmherzigen Kriegswesen zu-sammen.
Allerdings, wenn wir nach Durchlesung dieses viertenBandes dahin gekommen sind, daß der Monarch, dem vonseinen großen Feldherren und Staatsmännern in Verbindungmit seinem Volke die Rettung seines Staates erst abgenötigtwerden mußte, der Monarch, welcher der Reihe nach unterder Furcht Napoleons , Metternichs und Nikolans' lebte, derewig gerechte, grundgütige, pflichttreue, selbstlose, fest ent-schlossene Retter, Führer uud Begründer einer heilvollen Ent-wicklung nicht nur Preußens, sondern auch Deutschlands ge-wesen — und das ist der herrschende Eindruck, welcherZurückbleibt, wenn mau gläubig liest — dauu, alsdann ganzgewiß sind wir bereit, alles unterschicdloS aus der Hauddes gütigen Erzählers hinzunehmen uud uach Jesuitenvor-schrift in dieser Hand zn sein sierrt) daeulns, wie ein Stock.