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Wer ein Werk mit Nutzen nnd Vergnügen lesen will,muß sich vor der Gewohnheit mancher Leute hüten, überder Lektüre iu eiuem fort mit dein Autor in Gedanken zuhadern. Damit schmälert mau sich zunächst einen der größtenLebensgenüsse nnd mit der Erschwerung des Verständnissesauch die Frucht des Lesens. Für den, welcher diese Gefahrzu vermeiden weiß, wird, selbst wenn er sich von der Tendenzund der ihr angepaßten Manier abgestoßen fühlt, in derBekanntschaft auch mit diesem neuesten Bande Treitschtesnoch manches Verguügeu zu finden sein. Die Auflehnunglasse man erst hinterher zu Worte kommen, und sie kommtganz von selbst, aber beruhigt uud abgeklärt. Das Buchist sehr reich und mannigfaltig an Stoff, mehr als an Ge-danken; deun die Gedanken wiederholen sich uud sehensich an den meisten Stellen zum Verwechseln ähnlich,weil sie alle nur auf die einige Tendenz hinausgehen, demLeser alles zu verleiden, was nicht zu dem eiuen unerschütter-lichen Glauben hinleitet. In verschiedenen Abstufungen er-scheint die ganze übrige große und kleine Welt schlecht.
Aber das alles ist niit einer Virtuosität durchgeführt,welche durch die Fülle des Materials und die Gewürzt-heit der Zubereitung die Nerven kitzelt nnd den Appetitzunächst befriedigt. Wer darf sich rühmen, nicht dem Ver-gnügen der Msdisance zugänglich zu sein? Sie bildet be-kanntlich das Salz und die nie versagende Quelle der Unter-haltung. Hier ist auf historischem Gebiet Großes daringeleistet. Man hört das dankbar schallende Gelächter derStudenten, welches den amüsanten Wechselgang zwischenschärfstem Sartasmns und höchstem Pathos begleitet; mansieht deutlich, wie in feinem Geist der Schreiber sich in seinso effektvoll behandeltes Auditorium versetzt fühlt. Diekleinen Lästerzungen, welche in neuerer Zeit geschichtlichen