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weil sie keinen höheren Anspruch erhebt, als dendie besteder Republiken" zu sein.

Der Freiheitstrieb, aus welchem die politische Be-wegung des deutschen Bürgerthums zunächst im Südwestenhervorging, war uicht ausländischen Ursprungs. Die Be-wegung der dreißiger Jahre knüpft ohne Unterbrechung andie der Befreiungskriege und der Burschenschaft au. Vieleihrer Führer entstammen jener Verbindimg, auch der oben-genannte Weidig. Aber die Lust entfachte sich neu an denErlebnissen in der Nachbarschaft, und es ist undenkbar,daß sie sich entfacht hätte ohne einen Zug großmütigerSympathie mit den Menschen, welche dranßen diese Ideenvertraten. Lief Kritiklosigkeit dabei mit unter, so war sieunentbehrlich. Mit der kalten und sogar falschen Kritik,welche Treitschke nachträglich zur alleinigen Methodeerhebt, wäre an ein Erwachen überhaupt uicht zu deutengewesen. Selbst eine gewisse heiligeJugendeselei" ge-reicht bekanntlich den Menschen eher zur Zierde als alt-kluge Engherzigkeit. Aber es war keine Jugendeselei.Auch ist es falsch, eine undeutsche Richtung dabei für vor-herrschend zn erklären. Das selbständig Deutsche tritt inder Mehrzahl der Reden und Schriften der Epoche hervor.Die Nachahmung der Formen und Stichworte, welche dieJulirevolution geliefert hatte, lag in der Luft, und nuraus dem, was in der Luft liegt, kann Bewegung in dieMassen kommen. Mit Rezepten aus der Apotheke undselbst mit Lehrbüchern läßt sich das nicht machen. Ausden veränderten Voraussetzungen nnd Maßstäben ent-standen Mißverhältnisse, die zu Verzerrungen und zu Miß-erfolgen führten. Aber schließlich konnten die Dinge aufgar keine andere Weise ins Rutschen kommen, und nur aufdiese Weise sind die ersten Anläufe gegen den elendenkleinen Polizeistaat zustande gekommen, mit dem wir noch