— 197 —
raten nach Paris sahen, so geschah es, weil damals dienationalen Gegensätze nicht in Frage standen und alle Augendahin gerichtet waren, wo das Experiment vorbildlich zumDnrchbruch kam. Die Liberalen im Südwesten Deutschlands verfolgten die smnzösischen Kammerverhandlungen und Partei-tämpfe mit dem Solidaritätsgefühleigener geistiger Interessen.Vielleicht interessiert es Treitschte und kann er es verwerten,das; der erste Vizepräsident des jüngsten sogenanntenKartellreichstages, Herr Buhl, in der Taufe den undeutschenVornamen Armand erhielt zum Andenken an ArmandCarrel, deu drei Jahre vorher im Duell gebliebenen radikalenRedakteur des Journals „I^s Natiorig,!."
Die ganze ununterbrochene Reihe der deutschen Ent-wicklung, welche mit den Befreiungskriegen anhebt, 1830und 1848 in neuen Wendepunkten neue Lebenskraft ge-wann und 1866 und 1870 ihren großen Abschluß fand,ist nicht als eine Episode der Entartung, sondern als einelegitime Geschlechtsfolge zu verstehen. Auch ist es falsch,daß das Eintreten des preußischen Staates in diese Ent-wicklung uuabhängig von den Vorgängen des Südensgekommen wäre. Der Zollverein allein hat es nicht ge-macht. Während unter Friedrich Wilhelms III. patri-archalischer Herrschaft jede äußere Regung in Preußen er-starrt war (die absolutistische Schönseligkeit sagt: aus zarterRücksicht für den greisen König, aber ohne Gegenseitigkeit)lebte der Norden im Geiste mit den liberalen Kämpferndes Südens uud Westens, wie auch die Rheinländer undWestfalen nachher an die Spitze der liberalen Bewegungin Preußen traten. Den berechtigten Grundzug aller dieserErscheinungen in der Politik zu übersehen, ist ebenso falsch,wie es falsch ist, die gleichzeitige unter dem „JungenDeutschland" zusammengefaßte philosophisch-litteransche Be-