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haben etwas aus der Fremde genommen. Ter SchwabeHegel schöpfte ganz aus dem Keim seines eigenen Wesenswie der Schwabe Strauß. Zu der Philosophie siud dieDeutschen nicht Schüler, sondern Lehrer des Auslandesgewesen, etwa von England und Schottland abgesehen.Franzosen und Italiener haben aus deutschen Quellen ge-schöpft mm Hegel bis Schopenhauer . Ist also auf diesemGebiet die Anklage der Nachäfferei nicht einmal dem Scheinnach aufrecht zu erhalten, so liegt die innere Notwendigkeit,welcher die Bewegung des jungen Deutschland entsprang,sonnenklar zu Tage. Diese hatte die Ausgabe, zu ver-mitteln zwischen einerseits der menschlichen und andererseitsder staatlichen und gesellschaftlichen Bildung der Nation,aus ersterer die Konsequenzen zu ziehen für letzlere. Wasunsere klassische Epoche in den Kopsen ausgereift hatte, dasmußte die folgeude ins Leben hinüberführen. Dem-entsprechend fällt der Wendepunkt gerade mit Goethes Todzusammen. Ueber den dem Staat und der sogenanntennationalen Idee abgewandteu Sinn der klassischen Epocheist so viel verhandelt worden, daß man heute keiu Wortmehr darüber zu verlieren braucht. Wenn dieser Sinn inder Zwischenzeit der dreißiger oder vierziger Jahre auchseine herbe Kritik erfahren hat, fo sind wir längst zur ge-rechteren Erkenntnis zurückgekehrt, und jene Herbigkeit er-klärt sich aus den ersten heftigen Ansätzen des Umschlags.Gerade der von Treitschke bestgeschmähte Heine hat dieAngriffe auf Goethes Olympiertum stets mit wahrerEmpörung zurückgewiesen, was natürlich Treitschke ver-schweigt. Heine stand an Geisteshöhe und Freiheit Goetheunendlich viel näher als Treitschke. Selbst die Verflachung,welche eine ins Leben hinüberführende litterarifche Richtunganuahm, war unvermeidlich. Treitschke meint, heute leseniemand mehr die Schristen des jungen Deutschland . Man