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Demiinger, evangelisch, und einer gleichfalls evangelischenMutter/'
Was aber hat Rahel verbrochen? Ihr kann dochwohl nicht das vorgeworfen werden, ums Treitschke undseine Freunde dem jüdischen Einfluß zuschreiben' zersetzendesskeptisches Verhalten zu den höchsten Dingen. Niemalsschlug ein Herz wärmer für das Schone, Wahre und Gute.Oder fühlte sie sich nicht als Deutsche? Sie, die preußischePatriotin, deren Briese aus dem Jahre 1813 solch eineglühende Begeisterung, solches Glück über die Wieder-erstehung ihres Laudes atmen? Sie, die kranke Soldatenpflegte, mit hundert Händen hals uud heilte? Sie, die beider Nachricht, daß der von ihr angebetete Fichte gestorben,sich schämte, daß sie am Leben geblieben war? Waskonnte nun Treitschke veranlassen, nachdem er sie halb-wegs glimpflich behandelt, zu ihrer Herabwürdigung auseiuem Brief Arnold Ruges, ohne jegliche Verwahrung,eine Stelle abzudrucken, wo dieser sagU „die Rahel, daseklige Mensch." Wenn er das nicht that, um sein Wohl-gefallen daran auszudrücken, warum denn? Hat ein Wort,das in einem Privatbrief hingeworfen, nicht entfernt zurÖffentlichkeit bestimmt, wenn es so unpassend ist, seinenPlatz in einem Geschichtswerk? Rüge hätte sich gehütet,es drucken zu lassen. Er hatte eine lose Znnge, die imBriefschreiben und im Reden die Schimpfworte lachendumherwars. Seinen besten Freund tonnte er gelegentlichein Pferd nennen. Es war ein polternder, aber gutmütigerSchulmeisterhumor. Ich erinnere mich, daß er einmal, alsdie Rede auf Renan kam, ausriesi „Der? der ist ja nochabergläubischer als Strauß." Als ich seine Briefe an michfür die Veröffentlichung hergab, habe ich mich gehütet, allePersonennamen stehenzulassen. Und was meint Treitschkevon dem, was in denselben Briefen, denen er die häßliche