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2 (1894) Charakteristiken
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Stelle über die Rahel schmunzelnd entnimmt, über ihn selbstgesagt wird? Er hat es doch ivvhl auch gelesen und wirdder Ansicht sein, daß es nicht schön wäre, es als Zitatdrucken zn lassen. Die Verletzung aller Ehrbarkeit ist umso größer, als Rahel niemals durch unweibliches Hervor-treten die Kritik herausgefordert hat. Sie hat nichts druckenlassen. Erst nach ihrem Tode erfuhr die Welt von ihr undvon dem, was sie ihren Freunden in ihrem heiligen Ernstanvertraut hatte. Mag Treitschke Bettina höher stellen, dasist Geschmackssache. In diesem Punkt züchtiger Weiblichkeitkann sie nicht den Vorrang beanspruchen. Es ist aberfreilich im Wesen Rahels etwas, das wie eine um langeJahre vorausgegangene Verurteilung Treitschkes verstandenwerden uud seiue besondere Antipathie erwecken kann.Klingt es nicht wie au seine Adresse gerichtet, wenn sieschreibt'

Man sollte sich wirklich alles von seinen Landslcuten gesallenlassen! denn je mehr sie uns tadeln und verfolgen, je mehr man inDisharmonie mit ihnen ist, je gewisser ist es, daß man auf sie ge-wirkt hat."

Oder ein andermal:

Großer Gott, was ist cS leicht und natürlich, sein Vaterlandzu lieben, wenn es einen nur ein bischen wieder liebt! Man thutes ja schon ohne Gegenliebe."

Oder:

Geschichte ist in närrischen Händen sehr schädlich. . . . Sollten

Männer wie.......nicht selbst wissen, Ivo der dunkle Punkt in

ihren neuesten Schriften ist, über welchen sie wegsetzen und willkür-lich vorauszusetzen anfangen? Sie machen einen selbst schwankenzwischen dem Zweifel an der Schärfe ihrer Einsicht oder dcni anihrer Redlichkeit: man weiß nicht, welche mcn^ von beiden be-leidigen soll."

Und zum Schluß noch dieses:

Was mich empört, ist diese Klasse, die mit Prätention sittlich!!!sind. Dies hebt alles auf, geradezu auf, was nur so genannt werden