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die Züge französischer Anmut und Leichtigkeit sonst nichtzukommen. Er war ein Kind der Bretagne , jenes Landes,das, erst im Anfang des 16. Jahrhunderts durch Erbgangvöllig mit der französischen Krone vereinigt, bis auf denheutigen Tag sein besonderes Gepräge, selbst in Tracht undSprache des Volkes, und den Ruf starrer Anhänglichkeitan Königtum und Glauben bis auf den heutigen Tag be-wahrt hat. Zu Trsguier in der unteren Bretagne am27. Februar 1823 geboren, war er, dem frommen Sinneder Landschaft entsprechend, von den Eltern zum geistlichenStand bestimmt worden. Er hat selbst in einer seinerköstlichsten Schriften die „Geschichte seiner Jngend" erzählt,und es wäre schade, aus diesem Kunstwerk einzelnesherauszuschneiden, wenn auch uicht Zeit uud Raum esuntersagten. Seine Seeleukämpfe, das Erwachen desZweifels gegen den kindlichen Glauben, die Atmosphäreund die Gestalten des Seminars von St. Sulpice, inwelchem dieser Lebensabschnitt sich abspielte, das alles willin der Gesamtheit uud in der Feinheit der Schilderunggenossen sein, in welcher der Verfasser ein uuübertrofsenerMeister war. Und hier kam gerade die besondere Virtuo-sität zu ihrer vollen Geltung, jene Mischung von Freiheitund Empfindsamkeit, von Schalkhaftigkeit und Mystizismus,die namentlich in den späteren Bekenntnissen des Denkersam meisten hervorsticht und ihnen ihr Gepräge giebt.
Die Zweifel führten ihn bereits im Seminar vomStudium der Theologie hinweg zu dem der orientalischenSprachen. Und diese sind die Grundlage und die vor-züglichste Aufgabe seiner Gelehrtenlaufbahn geblieben. Ertrat aus dem Seminar aus, endgiltig dem geistlichen Be-rufe entsagend, uud machte im Jahre 1848 sein philo-sophisches Lehrerexamen. Sein erstes philologisches Werkwar eine allgemeine und vergleichende Geschichte der