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2 (1894) Charakteristiken
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semitischen Sprachen, die von der Akademie gekrönt wurde.An die orientalischen Sprachstudien schloß sich gewisser-maßen organisch die Forschung ans dem Gebiete derReligionsgeschichte an, durch welche Renan dem größerenPublikum naher getreten ist, als durch seine linguistischer?Arbeiten.

Eine Aufzählung und Würdigung der großen Reihevon Publikationen, welche eine früh begonnene, unermüd-liche nnd produktive Thätigkeit auf diesen beiden Gebietenans Licht gefördert hat, kann natürlich meine Sache nichtsein. Diese Aufgabe muß dem Gelehrten vorbehaltenbleiben. Unter dem frischen Eindruck der Todesnachrichtund in wenigen, eilig hingeworfenen Zeilen habe ich nurdie Obliegenheit, den Menschen und Schriftsteller, wiL ermir aus der Erinnerung der Lektüre und der eigenen Er-lebnisse vorschwebt, zusammenzufassen. Die wissenschaftlichenFreuude Renaus haben immer daran festgehalten, daßseine Hauptstärke im linguistischen Fache zu suchen sei.Noch ehe seinLeben Jesu" die große Sensation hervor-gerufen hatte, welche die Augen der Mitwelt so gewaltigauf ihn lenkten, hatte er das Interesse der gebildetenKreise durch seine, zum Theil iu derRsvus äss 6ouxraonäsZ" veröffentlichten und später gesammelten Studienüber Religionsgeschichte auf sich gelenkt. Schon in diesenArbeiten ist die kunstvolle Behandlung der Form und demGeist nach reich entfaltet; fchon in ihnen auch spiegelt sichjener eigentümliche Dualismus seines Wesens, der zärtlicheSinn für das Halbdunkel und die hoch über allemschwebende Jrouie. Eine streng wissenschaftliche Arbeit,seine Geschichte der arabischen Philosophie (^vsrroöZ st1'^vsrro'isro.s), die Anfangs der fünfziger Jahre znm erstenMale erschien und später neu aufgelegt wurde, ist wenigerins große Publikum gedrungen.

Ludwig Bamberger'S G-s, Schriften. II. Ig