Druckschrift 
2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

^46

das Buch Hiob , und vor allem das Buch des Predigers(l'soclssi^sts). Ich sage vor allem, denn dieses Kompen-dium seliger Weltweisheit ist so ganz dem Ingenium desUebersetzers auf den Leib geschrieben. Wenn ich die Perleunter den Perleu Nenanscher Produktion bezeichnen sollte,so würde ich ohne Besinnen die Einleitung nennen, die erzu dieser Uebersetzung geschrieben hat. Wer ihn von seinerfeinsten nnd echtesten Seite kennen lernen will, lese dieseStudie!

Wie vieles wäre noch zu uennen! Aber man könntenichts nennen, was zu leseu nicht einen hohen Genuß böte,was, einmal angefangen, aus der Hand zu legen nichtschwer würde. Und es ist nicht bloß die hohe Kunst derBehandlung, es ist die verschwenderisch reiche Facettierungder Betrachtung, die uns sesselt. Wenn mau Renau vor-wirft, daß er allzu abgeklärt über den Dingen schwebt,uud daß man ihm deutlich nachfühlt, eigentlich giebt esfür ihn keine Wahrheit, so muß man wenigstens zugestehen:Niemals hat jemand in so unendlich reichem Maße dieVorzüge seiner Fehler gehabt. Ja, der beste Theil seinerLeistungen wäre vielleicht undenkbar ohne jene subtile Er-kenntnisliebe, die sich sür nichts desinitiv entscheiden kann.Eben in jener Einleitung zum Prediger vergleicht er einmalselbst die Wahrheit mit jenen Leuchttürmen, die, sich immerin verschiedenen Lichtfarben nach d.em Meere zu drehend,den Schiffer vor dem Scheitern bewahren. Man hat sichweidlich lustig gemacht über das süßliche Verhalten zu denIllusionen der Gläubigen, die er zwar peinigt, aber wiedermit Balsam bestreicht. Bekannt ist jener Vergleich: Renanwirft den lieben Gott aus dem Feuster, aber vorher legter eiue Matratze auf die Straße. Am feinsten hat ihnDoudan in seinen, Renanscher Feinheit ebenbürtigen, Briefenpersifliert!Herr Renan reicht der französischen Jugend mit