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2 (1894) Charakteristiken
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Goldwährung fest. Dagegen suchte sein weicher, vermittelnderSinn einen möglichst unschädlichen Weg, um auch dieSilberfreunde zu versöhnen. Als alter Stammverwandterder Hamburger Bank mochte auch sein Herz noch einenstillen Winkel für das so unbarmherzig entthronte weißeMetall in sich schließen. In den achtziger Jahren verstieger sich einmal in einer seiner Schriften zu dem Gedanken,theoretisch sei eine Doppelwährung mit festem Verhältnismöglich, wenn alle Kulturstaaten sich vertragsmäßig darauffestlegten, aber für die Wirklichkeit erklärte er ein solchesAbkommen doch unausführbar. Bekanntlich hat er nochin diesem Sommer für den bevorstehenden Brüsseler Münz-kongreß Vorschläge und eine Denkschrift ausgearbeitet,nicht zum Zweck einer vertragsmäßigen Doppelwährung,sondern behufs einer möglichst breiten Ausnutzung desSilbers als Zahlungsmittel zweiter Klasse. Wie er abernoch selbst konstatierte, hat sein Vorschlag keinen Anklanggefunden. Den Monometallisten ging er zu weit und denBimetallisten nicht weit genug. Er entsprach nur seinempersönlichen, auf Vermittlung gestimmten Naturell.

Im Laufe der Zeiten wuchs Soetbeers Beruf immermehr von der volkswirtschaftlichen Seite nach der statistischenund damit von der deutsch -nationalen nach der universalenAufgabe hinüber. Hier war der wahre Grund und Bodenseiner Leistungskraft, und hier entfaltete sich seine Thätigkeitimmer breiter und angesehener. Die Schärfe volkswirth-schaftlicher Argumentation, wie sie z. B. Otto Michaelis inso bewundernswerten! Grade besaß, war nicht SoetbeersSache. Aber seine Kunst im Sammeln und Ordnen vonThatsachen , verbunden mit dem entsprechenden Fleiß, istwohl selten übertroffen worden. Auch ist er aus dem Ge-biete der Edelmetall- und Währungsstatistik unbedingt derErste aus dem ganzen Erdenrund gewesen, und sein Name

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