— 273 —
Anteil. Hat doch der Anblick jeder Waffe, auch getrenntvom Träger, etwas Fascinirendes fürs Auge, als derAnblick eines Dinges, das geeignet ist, über Leben undTod zu entscheiden. Ja, sogar der Anblick eines Gefäßes,in dem ein tötliches Gift enthalten ist, übt etwas vondieser Gewalt über die Phantasie aus. Es gibt eben nichtsDramatischeres, als die Entscheidung über Leben undTod, und im Krieg ist sie aus die höchste Potenz gebracht.Daher sind Kriegsgeschichten nichts weniger als ein un-dankbarer Stoff. Bekanntlich ist es noch gar nicht so langeher, daß die Menschheit verlangt, in ihren Geschichtsbüchernetwas weniger Schlachten und etwas mehr Kultur zulesen; aber man darf die Behauptung wagen, dies Ver-langen ist mehr ein Produkt der Reflexion als der Ge-schmacksrichtung. Wie vieles ließe sich über dies Themanoch sagen! Hier sollte nur so viel davon berührt werden,als hinreicht, um die Behauptung zu unterstützen, daß dieumständliche Schilderung kriegerischer Vorgänge auch ineiner sehr langen Aneinanderreihung nicht schlechthin alseine zu überwindende Schwierigkeit anzusehen ist. Aller-dings kommt es, wie überall, auf das Wie? an. Unddies eben findet sich hier bis zu einer bewundernswerthenVirtuosität gesteigert. Einige von Chuquet's näherenFreunden behaupten, er sei eigentlich zum Militär geborenund würde ein guter Schlachtensichrer geworden sein. Daßer ein bedeutender Gelehrter geworden ist, beweist nichtdas Gegenteil, wie die neuesten Kriegserfahrungen, auchabgesehen von Moltke, gezeigt haben. Die Beschreibungder Märsche und Gefechte, die Kritik von Sieg nnd Nieder-lage verraten jedenfalls einen Beobachter, dem das Herzfür das Fach schlägt, und da seine Feder, einem Pinselgleich, mit der lebhaftesten Anschauungs- und Darstellungs-gabe geführt wird, so ist die Wirkung auf deu Leser, man
Ludwig Bambergens Ges. Schriften. II.
IS