Druckschrift 
2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
275
Einzelbild herunterladen
 

275

gleitet. Keiner geht unbekannt an uns vorüber. Aber wirerfahren das Nothwendige in wenigen Strichen. Vielleichtkönnte man finden, daß hie und da diese Sorgfalt etwasUebertriebenes an sich hat. Zweierlei wag den Autor dazu,ich will nicht sagen verführt, aber geführt haben. Zunächstder Wunsch, Alles urkundlich zu belegen. Er verlangt,sozusagen, für seine Erzählung und sein Urteil keinerleiKredit vom Leser. Dieser soll überall selbst sehen. Sodannallerdings auch eine gewisse Liebhaberei. Chuquet ist das,was man auf französisch ,,un otisi-Lksu!-" nennt. Wo ihmetwas aufstößt, will er es sofort ergründen; er verfolgt esbis in seine letzten Spuren. Eine fabelhafte Belesenheitund, ohne Zweifel damit im Bunde, ein ebenso fabelhaftesGedächtnis kommen ihm dabei zu statten, machen ihm dieAufgabe zu einem willkommenen Spiele. Man erstauntüber alle Quellen, die er aufgetrieben hat. Die kleinstenPublikationen der Vergangenheit und der Gegenwart ent-gehen seinen Spürangen nicht; das handschriftliche Materialder französischen Archive ist nach allen Seiten hin durch-forscht. Trotzdem sind die Bemerkungen niemals umfang-reich; selten nehmen sie mehr als einige Zeilen auf jedemBlatt in Anspruch oder nöthigen den Leser, das Blatt um-zuschlagen über die Seite des Textes hinaus, auf den siesich beziehen. Sie haben nichts von dem Lästigen undErmüdenden mancher gelehrten deutschen Werke noch ausdem Anfang dieses Jahrhunderts, welche in weitschweifigenFußnoten, die selbst wieder mit Noteu in noch kleinererSchrift versehen sind, den Leser weit vom Standort seinesAuges abführen, so daß er nach Erledigung der Notewie von einer langen Reise zu seinem Ausgangspunktzurückkehren muß. Vielleicht hätte hier und da etwas er-spart werden können, so z. B. namentlich im siebentenBande, welcher aus Anlaß der Belagerung von Mainz

18*