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2 (1894) Charakteristiken
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Gegenzügen verwebt. Wie das Alles, Schritt für Schritt,einsetzt und sich zusammenfügt und das Ganze dramatischsich abwickelt, erfahren wir im Fluß der stetig und umsichtigfortgeführten Berichterstattung.

Der erste Band hebt mit der Kriegserklärung des da-mals noch monarchischen Frankreich vom W. April 1792an, welche ausschließlich gegen Oesterreich gerichtet war.Chuqnet, wie alle unbefangenen französischen Geschichts-forscher, namentlich auch Sorel, spricht unumwunden aus,daß die Juitiative zum Krieg nicht blos der Form, son-dern auch der Sache nach von Frankreich ausgegangen ist,oaß die Gironde aus inneren politischen Grüuden denKrieg wollte, wozu dann noch kam, daß Dnmouriez,welcheu Ludwig XVI . kurz vorher zum Kriegsministerernannt hatte, von Begierde nach Feldherrnthaten ent-brannt war.

Er, wie beinahe alle, schmeichelten sich damals mitder Aussicht, Preußeu von Oesterreich zu trennen und mitersterem intimes Verständnis, aus beiderseitige Vorteile be-rechnet, zu erzielen. Dieser Lieblingsgedanke zieht sich durchden ganzen Verlauf der späteren Ereignisse, gebiert mitwunderlicher Zähigkeit immer neue Spekulationen, auchals schon das preußische Heer im hellen Kampf mit denfranzösischen Waffen und beinahe allein im Felde ihnengegenüber stand. Diesen Liebeswerbungen, ihren geradenund ihren gewuudeueu Wegen, ihrer naiven Selbstgefällig-keit schenkt unser Berichterstatter, sein besonderes Augen-merk. Es hat etwas besonders Pikantes, in heutiger Zeit,wo das Wort?rv.88isn" den Inbegriff alles Verab-scheuenswürdigen im Volksmunde ausdrückt, die Schmeiche-leien zu lesen, die damals an den König und seine Ner-trauten verschwendet wurden. Vergegenwärtigt man sichdazu noch die heutige Russenliebe, so kann man sich keine