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noch länger sich vorbereitet hätte. Man war sachlich vor-bereitet, aber nicht intellektuell.
Das ist der große Unterschied gegen die Bedingungen,unter denen die Revolution sich in den Krieg stürzte. Siewar weit davon entfernt, ihren Gegner zu unterschätzen.Vielmehr, sobald einmal feststand, daß man sich mit Preußenzu messen haben würde, gab man dem Gedanken Raum,daß man es mit einem in militärischer Kunst überlegenenGegner zu thun haben werde. Der Nimbus der Frideri-cianischen Zeit umschwebte uoch das preußische Heer, Fer-dinand von Braunschweig galt für den ersten Feldherrnseiner Zeit. Mirabeau hatte den Ruhm dieser Armee neuer-dings wieder nach Frankreich verkündet und sie für dieerste der Welt erklärt, und Mirabeau hatte auch vom Braun-schmeiger geschrieben' es sei unfaßbar, aber doch wörtlichwahr, daß er ebenso tief eingeweiht und überlegen sei inden kleinsten Einzelheiten wie in den höchsten Aufgabender Kriegführung. Die Kommandanten von Verdun undLongivy ließen in Antwort auf die erste Aufforderung derpreußischen Parlamentäre sagen, sie seien stolz, dem be-rühmtesten Kapitän der Zeit gegenüber zu stehen. Der-gleichen Aeußerungen ritterlicher Höflichkeit kehren noch oftim Verlaufe der Dinge wieder. Man hatte auch Respektvor der preußischen Bildung und legte was hinein, ihr mitAnstand zu begegnen. Das ideale Element der Freiheits-bewegung verschwand trotz der traurigsten Excesse niemalsganz aus dem Geiste der Führung und der Offiziere. Wenndie herrschende Partei sich in den Krieg stürzte, so geschahes eben ohne jede weitere Berechnung ihrer militärischenMittel, aus Gründen der inneren Politik — ein Zug,welcher eine Eigentümlichkeit französischen Staatslebensist. Es ist zwar gang und gäbe in der höheren Kanne-gießerei geworden, daß man von jeder Regierung eines