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2 (1894) Charakteristiken
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es schon oft gelesen, aber man liest es immer wieder mitneuem Staunen, welche hilflosen, untauglichen Massen einetumultuarische politische Leitung ins Feld schickte, und zuwelchen Excessen gegen Freund und Feind, ja auch gegenihre Offiziere diese Banden sich hinreißen ließen. Solchesereignete sich aber nicht nur bei den Milizen. Die erstenschmählichen Niederlagen, welche die Armee bei Quievrain und Möns von den Oesterreichern erlitt, kommen auf Rech-nung der Linie, namentlich der Kavallerie. Chuquet glaubtnachweisen zu können, daß die Freiwilligen der ersten Aus-hebung vou 1791 nicht mit der Verachtung behandelt werdendürfen, welche, im Rückschlag gegen die Nebertreibungen derrevolutionären Apotheose, die ueuere Kritik ihuen cmge-deihen ließ; er zeigt an vielen Gefechteu, daß ihre politischeBegeisterung und ihr guter Wille aus ihnen so gute Sol-daten gemacht hatten, wie man es nur nach einer acht-monatlichen Vorbereitung erwarten konnte. Dabei steht ernicht im Geringsten unter dem Einfluß der Ansicht, daßman brauchbare Truppen mittelst des Enthusiasmus ausder Erde stampfen könne; er hat selbst viel zu viel Sinnfür Kriegswesen, nm für Dilettantisches voreingenommenzu sein. Die Legende findet an ihm keinen Augenblick eineStütze, aber sein Gesammturteil, welches nicht einseitig aufMißachtung der Revolutionsarmee hinausläuft, hilft dochauch allein die Thatsache erklären, daß schließlich die Re-publik mit wechselndem Kriegsgeschick nicht ohne eine Reihemerkwürdiger Erfolge gekämpft hat und am Ende nichtnur unbesiegt, sondern mit großem Gewinn aus dem Friedenvou 1795 hervorging. Wie viel immer an diesem Aus-gang die Fehler und Schäden ihrer Gegner, die Langsam-keit der österreichischen Kriegführung, die deutsche Uneinig-keit, vor Allem die Eifersucht über die Teilung Polens mitschuld gewesen sein mögen, alle zusammen allein können