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2 (1894) Charakteristiken
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malerisch und lebendig erzählt; der Einfluß der PariserEreignisse, die Zustände der beiden Heere geben den genauenEinblick in die allgemeinen Bedingungen, unter denen dieBegebenheiten sich entwickeln: dem preußischen Heere undseinen Führern wie den Personen des Königs und seinerUmgebung ist ebenso viel Studium zugewandt, wie denenauf französischer Seite. Das Rätselhafte, das von jeherüber dem Abbruch des Feldzugs nach dem eigentlich un-entschiedenen und nicht notwendig entscheidenden Tag vonValmn schwebte, weicht auch nach dieser Schilderung keinergrößeren Klarheit; aber nicht etwa darum, weil der Er-zähler etwas übersieht oder unaufgeklärt läßt, sondernweil er das merkwürdige Phänomen der plötzlich ein-tretenden Erschlaffung auf deutscher Seite als ein solchesauffaßt, das, aus Jnrponderabilien zusammengeballt, sichder exacten Analyse entzieht entsprechend dem Eindruck,den Goethe's prophetischer Ausspruch auch in Form einesintuitiven und nicht eines logisch aufgebauten Urteils ver-ewigt hat. Aber gerade um deswillen verwendet der Er-zähler seine Kunst auf die Einzelheiten des Verlaufes; erläßt uns selbst Alles sehen, damit nicht sein, sondern unserEindruck erkläre, was diese Wendung herbeigeführt habenmag. Natürlich kommen die bekannten elementaren Miß-geschicke ausführlich zur Sprache, Unwetter und Krank-heiten. Aber auch im französischen Lager fehlte es nichtan Plagen, und der Himmel goß seine Finthen auf Alleherab.

Die Annäherungsversuche an König Friedrich Wilhelm und seine Umgebung, die vom ersten Anbeginn, schon vordem Ausbruch der Feindseligkeiten, eine besondere An-ziehungskraft auf die Politiker wie aus einzelne Generaleausübten, sind schon Eingangs erwähnt worden. Sie ziehensich durch den späteren Gang des Feldzuges durch und