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nähere Beleuchtung dieser Persönlichkeit besonderes Inter-esse. Custine war der erste, der die Revolution unter demZeichen der philosophisch-politischen Propaganda in einemmehr aus der Schwäche des Reiches als aus der StärkeFrankreichs erklärbaren Siegeszug an den Rhein führte,und das Andenken an jene viel erzählte und viel be-sprochene Clubbistenzeit hat sich bis aus diese Tage erhalten.Ich hörte noch in meiner Jugend bei alten Leuten von„Güschtine-Zeiten" im Gegensatze zu „Kurfürsten-Zeiten"wie mit einem landläufigen Ausdruck reden. Durch diePerson seines Enkels, eines der ersten Enthüller russischerMysterien und des Korrespondenten derRahel, ist Deutschland später noch einmal wieder an ihn erinnert worden. Der nachder Einnahme von Mainz unternommene und nach kurzemGelingen wieder mißglückte Handstreich gegen Frankfurt ,die Brandschatzung der Stadt, die Verhandlungen undKämpfe dieser bösen Episode sind in dem Bande Custine mit der vollendetsten Unparteilichkeit und Genauigkeit er-zählt. Gleichmäßig durch den vorletzten und dnrch den letztenBand zieht sich parallel die Schilderung der politischen undder kriegerischen Vorgänge der Einnahme, Belagerung undKapitulation von Mainz im Herbst 1792 bis zum Sommer1793. Die Belagerung, welche unter die denkwürdigendieser Art gerechnet wird, ist zwar auch hier wieder mitjener eigentümlichen Mischung von aktenmäßiger Zeichnungund koloristischer Belebung wiedergegeben, welche das Ge-heimniß des Autors ist. Aber innerlich viel mehr ziehtuns die Schilderung der geistigen Bewegung an, die sichzu diesen Begebenheiten gesellt. Neben den offiziellenQuellen des „Monitenr" und des Kriegsarchivs liefert hiereine endlose Masse der zeitgenössischen und der späterenPublikationen: Denkwürdigkeiten, Zeitungen, Flugschriften,Abhandlungen, natürlich viel mehr in deutscher als in