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2 (1894) Charakteristiken
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wahrhaft edlen und außerordentlich seltenen Objektivitätdie höchste Auszeichnung zuerkennen wollte. In unfernTagen, wo das nationale Selbstgefühl zur obersten allerTugenden gestempelt, wo seine Uebertreibung bis zurKarrikatur eines der dankbarsten Popularitätsniittel ge-worden, gewährt es doppelte Freude, das Auge aufsolchen Erscheinungen ruhen zu lassen, und gerade auffranzösischem Boden, und ganz besonders wo es sich umAuseinandersetzungen mit Deutschland handelt. Schrift-steller von gleicher Objektivität, wie Arthur Chuquet, AlbertSorel, Gabriel Monod ^) sind überall eine Seltenheit; siesind es zumal unter den hier obwaltenden Umständen inFrankreich , und es ist nicht nur eine Freude, sondern aucheine Pflicht, dahin zu wirken, daß sie nach Gebühr ver-breitet und anerkannt werden. Auch ist nicht zu vergessen,daß diese ihre Objektivität sie nicht gehindert hat, bei ihrenLandsleuten reichsten Beifall zu ernten. Unter den deutschenHistorikern unserer Zeit wird Keiner zu finden sein, der imPunkte der Objektivität höher als Chuquet gestellt zuwerden verdiente: aber wie Manche könnten darin viel vonihm lernen! Die chauvinistische Geschichtschreibuug ist keinedeutsche Erfindung, aber die neuere Zeit hat Nachahmun-gen dieser Methode bei uns erstehen sehen, die alle ihreVorbilder an gewollter Einseitigkeit hinter sich zurücklassen.Der Neophntismus hat auch hier seine Neigung zumExtrem bewährt, und die Verkündung der Lehre, daß dieGeschichtschreibuug recht eigentlich die Aufgabe habe, denNationalstolz, oder, in diesem Fall richtiger gesagt, dasNationalvvrniteil zu fördern, ist eines der absurdesten Er-zengnisse dieses eigentümlichen Strebcns nach nützlicher Un-wahrheit. Die Frage, zu welchem Zweck man Geschichte

Der Herausgeber der Lsvus Kistori^us.