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Well und Menschen weit umher, in Sein und Wirken, inKunst und Wissen teilhaftig wird. So in eins zusammen-gefaßt, tritt dies Lebensbild mir entgegen. Es mögen dieeigenartigen Verhältnisse der Heimat etwas dazu beigetragenhaben, diese reich zusammengesetzte und harmonisch ab-gerundete Existenz in ihrer Gestaltung zu begünstigen.Zwar in aller menschlichen Entwicklung, das ist meine Ueber-zeugung, ist die Urcmlage der Individualität das beinahallein bestimmende. Immerhin waren wohl der kleine Staatund die nicht große Stadt des heimatlichen Gebietes dazuangethan, einen festen Standort zu Hause mit einem freienAusblick in die Weite zu gewähren. Unter den drei hansea-tischen Republiken ist Bremen die, in welcher die Vorzügeund Nachteile eines vom großen Hinterlande selbständigabgesonderten Geineinwesens am wenigsten Perrücken- undPhilistertum erzeugt, in welchem die Nichtunterthänigkeitein gesundes bürgerliches Selbstbewußtsein erzogen hatten,das sich willig an die politischen Bestrebungen Gesamt-dentschlands anschloß. Für die Weite des Gesichtskreisesnach außen sorgt das brave Meer. Ein gutes Bremer Kind steht nur mit eineni Fuß auf dieser Seite des Ozeaus,mit dem anderen drüben, meistens in Nord- oder Süd-amerika . Kommt's nicht an jedem in eigener Person leib-haftig zum Austrag, so erfährt er es am Nächsten, amBruder oder Vetter, am Sohn oder Schwager. Immer istGewähr vorhanden, daß Lust und Licht hereindringen.Gildemeister's Jugendreife fiel in die Zeit, da die erstenZcisen Triebe einer politischen Regung im deutschen Lebenschüchtern zu knospen begannen. Es waren die Jahre vordem Ausbruch von Achtuudvierzig. Diese unsere Generationhatte nicht die vorangehenden Enttäuschungeu der Befrei-ungskriege und der dreißiger Jahre erlebt, und die späterenlagen noch ungeahnt vor ihr. Sie war nicht über prak-