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tischen Versuchen gestrauchelt, und ein kindlich heiterer Frei-heitszug durchwehte platonisch ihre Brust. Dem Stilllebender Nation entsprechend gestaltete sich alles mehr litterarischals politisch —, ganz wie geschaffen für unseres Jünglingsbesondere Sinnesart. Wunderbar, wie in diesem Lebenalles zusammenstimmt, auch die ersten Blüten mit denFrüchten des spaten Alters. Sein erstes Werk, die me-trische Übersetzung von Byron s Don Juan, die Arbeitdes Bonner Studenten, bildet das Anfangsglied jenerPerlenschnur köstlicher Gabeu gleicher Art, mit denen erdie deutsche Litteratur bis in die letzte Zeit hinein beschenkthat. Mir scheint, nichts kann bezeichnender sein für dasWesen eines Mannes, als diese glückliche Symmetrie derSchaffenslust und der Selbsterkenntnis über den langenZeitraum eines halben Jahrhunderts hin. Welch eineinnere Klarheit gehört dazu, so von Anfang an sich zumRichtige,: zu finden, welch eine Weisheit, so daran festzu-halten, welch ein glückliches Naturell unermüdet immerneue Freude mit ueuer Vervollkommnung auf derselbenstillen Spur zu finden. Und dazu die rührende Genüg-samkeit, sich mit seiner ganzen großen Kraft auf das Ein-dringen in die Werke der großen Meister anderer Sprachezu verlegen, allerdings mit dem Erfolg, in der eigenendamit schöpferisch zu wirken. Den Jüngling lockt LordByron's übermütiger Don Juan . Der Mann legt dieHand an die ganze Reihe der übrigen vielgestaltigen Dich-tungen dieses verwegensten und originellsten aller Roman-tiker. Und damit nicht zufrieden, macht er sich aus, Shake-speares gewaltiger Muse auf ihre steilsten Höhen zu folgenund, selbst mit ihr vertraut, sie dem deutschen Leser zuzu-führen. Endlich, in den höheren Jahren gleichsam derNeigung zu heiterem, wohltöuendem Abschluß gehorchend,wendet sich der immer frisch quellende Arbeitsdrang hin