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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
316
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nach den südlichen Gefilden melodisch klingender Zunge,bringt uns in rascher Aufeinanderfolge zuerst Ariost's ra-senden Roland, des schalkhaften, sinnensrohen Meister Lu-dovico's abenteuerliches, im mittelalterlichen Geist der mo-dernen Byronschen Muse verwandtes Heldengedicht, undunmittelbar darauf die Bewältigung der härtesten unterallen herkulischen Uebersetzungsarbeiten, die Verdeutschungder Göttlichen Komödie.

Alles dies gleichzeitig, ja beinahe wie als Erholungneben einer rüstigen Thätigkeit auf den verschiedensten Ge-bieten ernster Berufspflichten, die mit wahrer Virtuositäterfüllt werden. Ein glückseliges männliches Dasein, dessenhoher Wert sich gerade darin kennzeichnet, daß, um es ganzzu würdigen, man es aus der Nähe beschauen muß. Nichtswas auf große Distanzen blendet oder mit schlagendenEffekten erstaunt, aber stiller Reichtum und innerlichesEbenmaß in Hülle und Fülle.

Ich vermute, die Gildemeister sind ein altes BremerGeschlecht, der Name schon klingt so gut reichsstädtisch.Der Vater, Karl Friedrich, geboren 177U, gestorben 1849,war Sekretär des berühmten Bürgermeisters Johann Smidt ,den er 1814 ins große Hauptquartier der deutschen Alli-ierten begleitete. Im Jahre 1816 wurde er zum Mitglieddes Senats gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte.

Am 13. März 1823 wurde der Sohn Otto geboren.Schon der Vater hatte Neigung zu den sprachlichen Studienund führte den Sohn ins Italienische, auch in die Lektüredes Dante ein. Nach absolviertem Gymnasium zog derjunge Mann auf die Universität nach Berlin und Bonn zum Studium der geschichtlichen, politischen und volks-wirtschaftlichen Wissenschaften, sowie der wichtigsten lebendenSprachen Europas " so heißt es in seinen Akten, undkeines dieser Gebiete ist hinter dem andern zurückgesetzt,