freude an der deutschen Nachbildung jenes ruhelosen aristo-kratischen Temperaments ausgelassen, welches, verstimmtund verhetzt, den Nebeln des Nordens entflohen mar, umLust und Leidenschaft im südlichen Sonnenbrand auszu-baden und dabei umzukommen.
Welch' ein ergiebiger Stoff läge in der Berührungdieser Gegensätze. Aber der würde gewaltig irren, der dameinte, nur Gegensätze lägen hier verborgen. Solches Ver-ständnis ist nicht denkbar ohne innere Verwandtschaft desGeistes wenigstens, wenn auch nicht des Charakters. Manwerfe einen Blick in das erste Jugeudwerk, die im Jahre1845 (bei Schünemann in Bremen ) erschienene erste Aus-gabe der Don Juan-Uebersetzung. Man lese die Vorrede,man vergleiche sie mit den späteren, und ebenso den Textder Verse. Wie das sprudelt, wie das Funken stiebt! Wiees im frohen trotzigen Freimut selbstbewußten Urteileusalle Schranken überspringt. Und doch schon der gleicheBienenfleiß, der bis ins hohe Alter hinein so gewissenhastund liebevoll sich ins Kleinste vertieft.
Ebenso nach langen vierzig Jahren lockt ihn wiederein anmutiger und respektloser Schalk, die Lust an den„Narretheien Meister Ludovico's". So blieb er doch stetsderselbe, der bereits auf der Schulbank, sagen die Zeit-genossen, zu verbotener Arbeit hinter des Lehrers Rückenmit dem Don Juan begonnen hatte. Erst einundzwanzigJahre zählte der Verfasser, als er die vollendete Arbeit,mit historischen und litterarischen Glossen versehen, heraus-gab. — Das war doch eine andere Art von flottem Studeuten-tnm, als das, welches heute mit verpflasterten Schmissenzu Ehren des nationalen Geistes aus den Straßen paradiert.
Es kann ja leider nicht vergönnt sein, hier in dieCharakteristik dieser und aller folgenden Arbeiten einzu-dringen. Das Interessanteste wäre eine Vergleichung der