anteil an der Arbeit, wenn man so sagen darf, nahm sichGildemeister, dreizehn Stücke für sich allein, darunter alledie historischen Dramen von König Johann bis zu denRichards und den Heinrichs. Im Jahre Z871 fügte ernoch die Übersetzung von Shakesvecire's Sonnetten hinzn(ebenfalls bei Brockhaus).
Bereits oben ist erzählt, wie die zunehmende Wüstheitdes Bismarck'schen Regiments die Beteiligung an der bun-desrätlichen Thätigkeit immer unerträglicher und das Er-scheinen in Berlin ganz zur Ausnahme machte; wie damalsin Gildemeister, obgleich seine Arbeit als Senator undBürgermeister zu Hause ihm noch ein voll gerüttelt Maßgewährte, die alte Sangeslust mit neuem Trieb erwachte.Nach etlichem Besinnen ward der Ariost herangeholt, be-zeichnend für die souveräne Gemütsart, deren Gleichgewichtsoeben im Streit mit der Uebermacht der Tagesherrschaftdie Proben manchen Aergernisses und maucheu Ekels be-standen hatte. Die vier Bände wurden wie ein Spiel inder Muße der Nebeustunden bewältigt. Dem Schönheits-sinn des Originals entsprechend erschienen sie in splendiderAusstattung 1882 (Berlin bei W. Herz). Es kommt mirnicht zu, ein fachmännisches Urteil über deu philologischenWert der Ueberse^uug zu fällen, zumal ich die konkurrieren-den Übersetzungen gerade des Ariost nicht kenne. Aberich habe beim Lesen dieser deutschen Verse das Gefühl,als klängen sie italienisch, noch mehr sogar als PaulHeuse's doch gewiß über jedes Lob erhabene ÜbertragungLeopardi's. So weit Deutsch wie Italienisch klingen kann,ist es hier vollbracht. So weich-melodisch fließt die Strophedahin, und wo am Ende des Gesanges der lustige Sängerim Abgang, gleichsam sich auf dem Absatz drehend, nochjedesmal seinen besten frechsten Witz ins Publikum schleu-dert, hebt das schwere nordische Idiom zu so graziösen