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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsliank von 1901 bis zum Ausbruch des Weltkrieges

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besondere Bedeutung erlangte das Jahr fernerhin durch die Abhaltung der Bank-enquete, welche die Fassung der Bankgesetznovelle vom Jahre 1909 vorbereiteteund weitere auf die Festigung des deutschen Kreditgebäudes gerichtete Maß-nahmen der Reichsbankverwaltung einleitete. Hierüber wird später des näherenzu sprechen sein.

Während des Jahres 1903 hielt die günstige Goldbewegung des Vor-jahres an. Sie war vom Juni ab sehr umfangreich und erbrachte im ganzeneinen Einfuhrüberschuß von 310,8 Millionen Mark. Zu dem aus dem Auslandeeingehenden Gold kam das aus dem inneren Verkehr zurückfließende hinzu,welches seit Einführung der kleinen Noten leichter in den Kassen der Bank zurück-gehalten werden konnte als früher, so daß am 23. August die Bank den bis dahinhöchsten Bestand von 923,8 Millionen Mark an Gold ausweisen konnte.

Der internationale Geldmarkt zeigte im Jahre 1908 im allgemeinen eineüberraschend schnell eingetretene Erleichterung, die sich in Deutschland unter derEinwirkung einer ungewöhnlich lebhaften bei einem Gesamtergebnis von3652 Millionen Mark bisher noch nie erreichten Emissionstätigkeit etwaslangsamer durchsetzte, die aber doch eine ständige Herabsetzung des Reichsbank-diskonts gestattete. Nachdem aus der zinsbringenden Kapitalanlage, die biszum Beginn des Jahres auf nahezu 2 Milliarden Mark angestiegen war, vonda ab für die Reichsbank kräftige Rückflüsse zu verzeichnen waren, ermäßigte dieBank am 13. Januar den Zinssatz auf 6'///°, am 25. Januar auf 6°/°, am 7. Märzauf 5'///° und am 27. April auf 5°/°. In der Zwischenzeit war allerdings wiedereine merkliche Versteifung des Status eingetreten, doch war sie zu einem erheb-lichen Teil durch Hereinnahme von Reichsschatzanweisungen herbeigeführt.

Obwohl der Jahresschluß eine starke Anspannung mit sich brachte, er-möglichte es die durch erhebliche Goldimporte des Vorjahres gekräftigte Lageder Reichsbank, den Satz von 4°/° unverändert aufrecht zu erhalten, und am16. Februar 1909 konnte infolge der anhaltend günstigen Wechsel- und Lombard-anlage der Diskontsatz sogar auf 3"///« heruntergesetzt werden. Dem allzu raschenAbgleiten der privaten Zinssätze, deren niedriger Stand während der beidenersten Monate des Jahres 1909 die Devisenkurse vorübergehend nachteilig beein-flußt und Goldabflüsse begünstigt hatte, suchte die Reichsbank wieder durchRediskontierungen von Reichsschatzanweisungen zu begegnen.

Allmählich nahm die Flüssigkeit des Geldmarktes ab, wozu das regeEmissionsgeschäft, dessen Ergebnis mit 3590 Millionen Mark hinter dem vor-jährigen nur wenig zurückblieb, beitrug. War schon die Belebung der Geschäfte