Die Reichsbank von Z901 bis zum Ausbruch des Weltkrieges
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erkennbar gewordene wirtschaftliche Aufwärtsbewegung machte weitere Fortschritteauf fast allen Gebieten der Erwerbstätigkeit. Dem Geldmarkte sind allerdingsinfolge des auf die unsichere politische Lage zurückzuführenden Abflusses großerAuslandsguthaben Störungen nicht erspart geblieben. Diese hauptsächlich imHerbst erfolgenden Rückzahlungen an das Ausland führten im Zusammenhangemit dem durch höhere Löhne und Preise ohnehin gesteigerten Geldbedarf zu einerbesonders starken Inanspruchnahme der Bank in den letzten Monaten des Jahres,vor allem an den Quartalsschlüssen September und Dezember. Die Befriedigungdieser Ansprüche wurde jedoch durch starke Goldimporte erleichtert. Auch konnteein allzu heftiges Steigen der fremden Wechselkurse infolge der Zurückziehungder Auslandsguthaben im Wege der Abgabe von Auslandswechseln vermiedenwerden. Unter diesen Umständen war es möglich, den Diskontsatz, der am6. Februar von 5 auf 4^°/° und am 18. Februar weiter auf 4°/° herabgesetztworden war, vom 19. September ab den ganzen Rest des Jahres hindurch aufdem 5°/°igen Stande, auf den er an diesem Tage wieder gebracht werden mußte,zu belassen.
Nachdem der Marokkokonflikt durch ein deutsch -französisches Abkommenendgültig aus der Welt geschafft worden war, nahm im Jahre 1912 die günstigeKonjunktur ihren Fortgang. Erleichtert wurde die wirtschaftliche Lage durcheine besonders gute Ernte an Getreide, Kartoffeln und Zucker, welche die Nach-wirkungen der schlechten, den Stand der Handelsbilanz ungünstig beeinflussendenErnte von 1911 wieder ausglich. Weder die Fortdauer des italienisch-türkischenKrieges noch der Ausbruch des Balkankrieges konnte die in lebhafteren Flußgeratene Aufwärtsbewegung nachhaltig hemmen, wenngleich die durch diekriegerischen Vorgänge bedingte Geldnachfrage zu einer erheblichen Anspannungdes Geldmarktes führte. Infolgedessen wurde die Reichsbank vom Verkehrbesonders stark in Anspruch genommen, während die Anforderungen des Reichessich in mäßigen Grenzen hielten. Die Wechselanlage überstieg während desgrößten Teils des Jahres den Betrag von 1 Milliarde Mark und blieb nur seltenhinter diesem Betrage um ein geringes zurück. Von Ende September ab betrugsie nur an einem einzigen Ausweistage weniger als 1400 Millionen Mark, undbei Jahresschluß erreichte der Portefeuillebestand bei 2031,1 Millionen Markdas Doppelte der Höhe, auf der er sich noch Ende der Jahre 1901 bis 1904bewegt hatte. Angesichts der starken Inanspruchnahme mußte der Diskont, deram 11. Juni von 5 auf 4'/2°/° ermäßigt werden konnte, am 24. Oktober auf 5°/»und am 14. November weiter auf 6°/° erhöht werden.