Die Reichsbank im Weltkriege
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Reichsbanklombardbestandes wie folgt: In der ersten Hälfte des Jahres 1914hatten sich die Lombardbestände (mit Ausnahme des Bestandes vom 28. Februar,der 121 Millionen Mark betrug) dauernd unter 100 Millionen Mark gehalten.Kurz vor Ausbruch des Krieges, am 23. Juli 1914 wurde mit 50 MillionenMark die niedrigste Lombardanlage in diesem Zeitraum ausgewiesen. In derZeit der drohenden Kriegsgefahr stiegen die Anforderungen sprunghaft. Am31. Juli erhöhten sich die Lombardbestünde der Bank um 152, am 7. August umweitere 24 Millionen Mark, um von diesem Zeitpunkt ab wieder zu fallen. An:Jahresschluß 1914 wurde mit 23 Millionen Mark der niedrigste Lombardbestanddieses Jahres erreicht. In den folgenden Kriegsjahren blieb die Lombardanlageauf einem außerordentlich niedrigen Stande. Während die Durchschnittsanlage1913 85, 1914 noch 74 Millionen Mark gewesen war, sank sie 1915 auf 22,1916 auf 13, 1917 auf 10 und 1918 auf 7 Millionen Mark.
Die Entwicklung der von der Reichsbank zu deckenden Kreditansprüchc Der Notenumlauffand ihren Ausdruck in der Entwicklung des Notenumlaufs. Während diesersich in normalen Zeiten nach den Kreditbedürfnissen der Wirtschaft richtete,wurde er nach Kriegsausbruch immer überwiegender durch den Kreditbedarfdes Reiches bestimmt. Je mehr mit dem Fortschreiten des Krieges die Be-dürfnisse des Reiches wuchsen, und je mehr diese Bedürfnisse durch die Dis-kontierung von Schatzanweisungen bei der Reichsbank gedeckt werden mußten,um so stärker stieg die Notenzirkulatiou, obwohl die Bank erfolgreich bestrebtwar, das Anschwellen des Notenumlaufs durch weitgehende Unterbringung vonReichsschatzanweisungen am freien Markte möglichst hintan zu halten. Zu derübernormalen Höhe des Notenumlaufs haben neben dem Kreditbedarf desReiches, wenngleich in erheblich geringerem Maße, freilich auch noch anderedurch den Kriegszustand bedingte oder hervorgerufene Vorgänge beigetragen;so zum Beispiel der Ersatz der Goldmünzen durch Banknoten, die von der Waren-seite stammende Preissteigerung, die Erweiterung des Umlaufsgebiets der Notendurch die militärischen Eroberungen, die Verringerung der Umlaufsgeschwindig-keit der Zahlungsmittel durch das Zahlungswesen des Heeres, in den späterenKriegsjahren auch die Bindung großer Notenmengen durch Schleichhandel undThesaurierung.