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Die Reichsbank : 1901-1925
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Die Reichsbank im Weltkriege

Wicklung Wie bereits bemerkt, war es der Reichsbaukverwnltuug gelungen, den

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Goldbestand der Reichsbank so zu erhöhen, daß er sich nm 23. Juli 1914 auf1356,8 Millionen Mark stellte. An den folgenden Tagen führte die starke panik-artige Erregung, die sich weitester Kreise der Bevölkerung vor Ausspruch derMobilmachung bemächtigt hatte, zu starken Goldabhebnngen, so daß der Bestandbis auf 1253,2 Millionen Mark am 31. Juli 1914 heruntergedrückt wurde.

Durch die Einstellung der Noteneinlösung in Gemäßheit des obenerwähnten Gesetzes, betreffend die Reichskassenscheine und die Banknoten, durchdie Übernahme des Reichskriegsschatzes (120 Millionen Mark Gold) und derauf Grund des Gesetzes vom 3. Juli 1913 (RGBl. S. 521) geschaffenen Gold-reserve des Reiches (85 Millionen Mark Gold) in die Bestände der Reichsbanksowie dnrch Heranziehung von Gold ans dem Auslande gelang es, den Gold-vorrat bis zum 7. August 1914 auf 1477,5 Millionen Mark zu bringen.

Inzwischen hatte sich die Panik, die Ursache der starken Goldabhebungen,gelegt, und nun trat eine denkwürdige Erscheinung ein, die sich ebenbürtig denWaffentaten der deutschen Krieger an die Seite stellen konnte: Das freiwilligeGoldopfer des deutschen Volkes angesichts einer Welt von Feinden, ein Vorgang,der in der Münz - und Währungsgeschichte aller Länder und Völker ohne Beispielwar und ist. Den im Verkehr reichlich vorhandenen Goldumlnuf suchte dieReichsbauk nach Möglichkeit in ihre Tresore zu leiten und dort festzuhalten. Inallen Schichten und in immer größeren Kreisen der Bevölkerung erwuchsen ihrhierbei verständnisvolle Helfer. Die öffentlichen Kassen, insbesondere die Kassender Post- und Eisenbahnverwaltnng tauschten Gold gegen Noten um und führtendas bei ihnen einlaufende Gold an die Reichsbank ab. Ein besonderes Verdienstnm das Goldsnmmelwerk erwarb sich die Geistlichkeit durch ihre unermüdliche Mithilfe sowie durch Anregung und Belehrung. Nicht minder anzu-erkennen war auch die Tätigkeit der Schulen, die sich im Einvernehmenmit der Unterrichtsverwaltung nnd unter Mitwirkung der Standesorgani-sationen der Lehrer mit glänzendem Ergebnis der Einsammlung von Gold-münzen gewidmet haben. Auch die gesamte Presse stellte sich hervor-ragend in den Dienst der vaterländischen Arbeit. Nicht nur Beamte, sondernanch Privatpersonen weckten und vertieften durch Verbreitung leichtfaßlicherSchriften uud durch Vorträge das Verständnis für die Bedeutung der Zu-sammenfassung unserer Goldvorräte in der Reichsbank. Eisenbahnverwaltnngen,Klein- und Straßenbahnen, Gemeindeverwaltungen, Sparkassen und Banken,industrielle Unternehmungen nnd Lichtspielbühnen, Ärzte pp. waren in