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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsbank im Weltkriege

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Die Entwicklung der fremden Gelder ging während des Krieges mit der Die fremde»

Gelder im

Entwicklung des Notenumlaufs ungefähr parallel. Während der ersten Hälfte Giroverkehrdes Jahres 1914 waren die Bestände entsprechend der leichten Gestaltung desGeldmarktes bereits auf bemerkenswerter Höhe. Nach Kriegsausbruch bewirktedas allgemein hervortretende Bestreben nach Auseinandersetzung und Abwicklungsowie die in der ersten Verwirrung aufsteigende Kreditangst, daß die Guthabenbei der Reichsbank in einem vorher nie dagewesenen Umfange verstärkt wurden.Schon in der letzten Juliwoche wuchs der Bestand der fremden Gelder um mehrals 300 Millionen Mark, in den beiden darauffolgenden Wochen je um mehr als600 Millionen Mark. In Vorbereitung auf die Einzahlungen der ersten Kriegs-anleihe erreichten die fremden Gelder im Jahre 1914 am 23. September mit2709 Millionen Mark ihren höchsten Stand. Allerdings schwächten die dannvor sich gehenden Einzahlungen auf die Anleihe die privaten Guthaben wiedererheblich. Dennoch stellte sich während der Kriegsmonate dieses Jahres derniedrigste Bestand der gesamten fremden Gelder (1282,1 Millionen Mark am7. November) immer noch um rund 200 Millionen Mark höher als der höchstein Friedenszeiten je erreichte Bestand. Von der zweiten Novemberwoche ankonnte mit einer geringfügigen Unterbrechung bis zum 23. Dezember wiederem Anwachsen auf mehr als 2 Milliarden Mark beobachtet werden. Der Bestandam Jahresschluß 1914 hielt sich um rund 1 Milliarde Mark höher als am Schlußder vorangegangenen 4 Jahre.

Einen wesentlichen Einfluß auf die Entwicklung der fremden Gelderübten die öffentlichen Guthaben aus. Infolge der völligen Umstellung der Wirt-schaft und des Zahlungs- und Kreditverkehrs erfuhren die Giroumsätze derReichsbank für öffentliche Rechnung während der letzten 5 Monate des Jahres1914 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Steigerung von169"/». Für den Giroverkehr der privaten Kunden stellte sich diese Steigerungdagegen nur auf 7°/«. In den folgenden Kriegsjahren setzte sich die gleiche Ent-wicklung sort. Die gesamten Giroumsätze und -guthaben wuchsen von Jahr zuJahr, wenn auch ein gewisses Auf und Ab die für normale Zeiten charakte-ristischen Schwankungen im Kapitalbedarf und Kapitalangebot besonders anden Quartalsterminen erkennen ließ. Stärkere Veränderungen der Ziffernerfolgten jedesmal im Zusammenhang mit den Einzahlungen auf die Kriegs-anleihe. Die höchsten Guthabenbestände wurden im Jahre 1914 am 23. Sep-tember, in den übrigen Kriegsjahren 19151918 am 30. September ausge-wiesen. Die Durchschnittsziffern der Guthaben sind für diese Jahre 1335, 1805,