112 Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1923)
daß den einzelnen Bankanstalten ein bestimmter Betrag zur Bewilligung vonLombarddarlehnen zur Verfügung gestellt wurde und gleichzeitig der Kreis derzur Beleihung zugelassenen Pfandobjekte eine wesentliche Erweiterung erfuhr,indem auch gute Aktien, Kuxe solider Unternehmungen und unter Umständensogar sichere Hypotheken als beleihbar erklärt wurden. Auch die Lombardierungvon Waren in der Form der Sicherungsübereignung wurde zugelassen. Ermög-licht wurde die Einrichtung des „Notlombards" durch die Bestellung einesGeneralpfandes von feiten des Reichs. Um sicherzustellen, daß die Notlombard-kredite lediglich zwecks Weiterführung der Betriebe Verwendung fanden, wurdeden Reichsbankanstalten empfohlen, aus der Zahl vertrauenswürdiger Bankenund Bankiers und unter Hinzuziehung der Handelskammern oder anderer ge-eigneter kaufmännischer Kreise örtliche Kreditausschüsse zu bilden, welche dieKreditanträge zu begutachten hatten. Vereinzelt erfolgte die Krediterteilung inder Art, daß geeigneten Banken und Bankiers Kredite zwecks weiterer Kredit-erteilung unter eigenem Obligo zur Verfügung gestellt wurden.
Abgesehen von diesem Notlombard und dem unten erörterten wert-beständigen Lombard hielt sich der Lombardverkehr in engen Grenzen. DasNähere vergleiche Tabellen 40 bis 42.
Neben der Sonderhilfe für die besetzten Gebiete nahm die Finanzierungder Versorgung des deutschen Volkes mit den notwendigen Lebensmitteln dieReichsbank stark in Anspruch. In den ersten Monaten des Jahres 1923 war dieAblieferung des Umlagegetreides durch Kreditunterstützung der Kommunal-verbände zu bewerkstelligen. Im Herbst wieder mußten Umschlagskredite fürdie Winterversorgung der städtischen Bevölkerung mit Kartoffeln und Kohlenbereitgestellt werden. Gas- und Elektrizitätswerken sowie anderen lebenswich-tigen Betrieben war die Sicherstellung ihres Kohlenbezuges zu ermöglichen.
Alles das führte zu einer außerordentlichen Kreditanspannung, die erstetwas nachließ, als nach Einstellung des passiven Widerstandes verschiedeneKreditversorgungsmaßnahmen abgebaut werden konnten. Die umfangreicheKreditgewährung an den Verkehr, die zu der oben erörterten außerordentlichenKreditgewährung an das Reich hinzutrat, führte zu einem immer stärkeren An-schwellen des Notenumlaufs, das an sich schon inflationistisch wirken mußte, dasaber in Verbindung mit einem noch weit stärkeren, jedes Maß übersteigendenAnwachsen des sogenannten Notgeldumlaufs eine rapide fortschreitende Ent-wertung der Mark zur Folge hatte. Die Markentwertung mußte zur Entnahmevon Krediten anreizen, die lediglich die Erzielung von Kursgewinnen bezweckte.