Die Neichskmnk vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1923) 11^
Zahlungsmittel in immer größerem Umfange aufzuspeichern, ohne durch einwirtschaftliches Bedürfnis dazu genötigt zu sein. Handel- und Gewerbetreibende,kleinere und größere Kapitalisten hoben namentlich seit etwa Anfang OktoberGuthaben bei Banken, Bankfirmen, Sparkassen und Genossenschaften ab, umdas bare Geld aufzubewahren. Was von feiten der Reichsbank geschehen konnte,um dem Zahlungsmittelbedarf zu genügen, geschah. Die Verausgabung dervorsorglich angesammelten großen Reservebestände an papiernen Geldzeichenund der vorhandenen Vorräte an Reichssilbermünzen wurde angeordnet. Eswar ein besonders unglückliches Zusammentreffen, daß der Geldbedarf sich einer-seits unmittelbar an den schon ungewöhnlich großen Ultimobedarf des Sep-tember anschloß, und daß andererseits die Reichsdruckerei in den vorauf-gegangenen Wochen infolge Einziehung einer größeren Anzahl ihrer Arbeiterzum Heeresdienst und infolge Erkrankung mehrerer weiterer Hunderte außerStand gesetzt war, die von der Reichsbank erteilten Druckaufträge auch nurannähernd auszuführen. Obwohl hierin alsbald Abhilfe geschaffen wurde, er-schien es der Bankleitung doch angebracht, eine größere Zahl von Privat-druckereien mit der Herstellung einer neuen Reichsbanknote zu 50 Mark im Buch-druckverfahren zu beauftragen, deren Druck und Kontrolle von der Reichsbankselbst organisiert wurde, und von der sich in kürzester Zeit große Beträge an-fertigen ließen. Da diese Noten unter den gegebenen Umständen gegenFälschungen nicht so gut gesichert werden konnten wie die übrigen Reichsbank-noten, wurde ihr Aufruf und ihre Einziehung unter Umtausch gegen andere ge-setzliche Zahlungsmittel zum 1. März 1919 ausdrücklich vorbehalten. Danebensind schon in den ersten Oktobertagen überall da, wo die Gefahr einer wachsendenZahlungsmittelnot besorgt werden konnte, die Kommunen auf Veranlassung derReichsbank angeregt worden, die Ausgabe von Notgeld in Scheinen bis zur Höhevon 50 Mark mit möglichster Beschleunigung vorzubereiten. Die große Mehr-zahl der angegangenen Städte ist dieser Aufforderung nachgekommen. DieReichsbank übernahm die Hälfte der Herstellungskosten sowie der durchFälschungen entstehenden Schädigungen und stellte ihre Kasseneinrichtungen fürAusgabe, Einlösung und Umtausch des Notgeldes zur Verfügung.
Die damals von den Kommunen zur Ausgabe beschlossene Summebezifferte sich insgesamt auf rund 2 Milliarden Mark, von denen allerdings einerheblicher Teil nicht ausgegeben zu werden brauchte. Als Höchstumlaufssummeermittelte die Reichsbank die Ziffer von 1486,6 Millionen Mark (am 15. Ja-nuar 1919). Am 31. Mai 1919 waren hiervon nur noch rund 189,6 Millionen
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