118 Die Neichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1923)
Im Laufe des zweiten Halbjahres 1920 ließ sich die Ausprägung von 50-Pfennig-stücken aus Aluminium so weit fördern, daß die Nachfrage des Verkehrs im allge-meinen befriedigt und sogar an die allmähliche Einziehung der noch im Umlauf be-findlichen kommunalen Notgeldscheine zu 50 und 25 Pfennig herangetreten werdenkonnte. Die Herstellung von 10- und 5-Pfennigstücken war indes trotz ihrersehr erheblichen Steigerung in einer dem Bedarf genügenden Menge nichtmöglich. Im Jahre 1921 wurden die Münzprägungen in verstärktem Umfangefortgesetzt.
Diese Maßnahmen hatten den Erfolg, daß der Verkehr mit den zur Ver-fügung stehenden Scheidemünzen im großen und ganzen auskommen konnte.Im Interesse der Einheitlichkeit des Geldwesens wurde nunmehr auf eine Ein-ziehung der im Umlauf befindlichen Notgeldzeichen hingewirkt. Der preußischeMinister für Handel und Gewerbe wies die Regierungspräsidenten bereits mitVerfügung vom 24. Februar 1921 (HMBl. S. 57) an, eine Neuausgabe vonErsatzwertzeichen nach Lage der Dinge nur noch nach sorgfältiger Prüfung derBedürfnisfrage und nur in besonderen Ausnahmefällen zuzulassen.
In der ersten Hälfte des Jahres 1922 war der Zahlungsmittelbedarfverhältnismäßig ruhig. Die Zunahme des Umlaufs an Zahlungsmitteln bewegtesich infolge des während dieser Zeit einigermaßen konstant gebliebenen Geld-wertes im Rahmen der letzten Monate des Jahres 1921. Im dritten undnamentlich im vierten Vierteljahr 1922 nahm der Bedarf aber im Zusammenhangmit dem Sturz der Markwährung ganz außerordentliche Dimensionen an.
Da die Anforderungen an Zahlungsmitteln in außergewöhnlichem Aus-maß und mit großer Plötzlichkeit austraten, ließen sich vorübergehend Störungenin der Abwicklung des Geldverkehrs nicht ganz vermeiden, insbesondere,da die Anfang Juli einsetzende Krise durch einen Streik in der Reichs-druckerei verschärft wurde, der einen beträchtlichen Ausfall der Notenherstellungmit sich brachte. Die Maßnahmen, die alsbald zur Befriedigung des ganz außer-ordentlich steigenden Bedarfs an Zahlungsmitteln mit größter Beschleunigungin die Wege geleitet wurden, bezogen sich auf die organisatorische und auf dietechnische Seite des Problems. In organisatorischer Hinsicht wurde zunächst derBetrieb der Reichsdruckerei leistungsfähiger gestaltet, und zwar durch Einlegungeiner dritten Arbeitsschicht und durch Ausdehnung der Notendruckabteilung,soweit es die Räumlichkeiten zuließen. Außerdem wurde, wie während derZahlungsmittelkrise Ende 1918, wieder eine Reihe von Privatdruckereien zurHerstellung der besonders dringlich gebrauchten Notenabschnitte, namentlich