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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Reichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (19181923)

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geschriebenen Beträge zurückgebracht werden. Erst im dritten Vierteljahr 1919lenkte der Zahlungsmittelbedarf in etwas ruhigere Bahnen ein, um im letztenVierteljahr von einer neuen Zahlungsmittelnot abgelöst zu werden.

Es stellte sich die Notwendigkeit heraus, die mit dem Datum vom 20. Okto-ber 1918 im Buchdruckverfahren hergestellte Hilfsbanknote zu 50Mark wegen vor-gekommener Fälschungen einzuziehen. DieNote verlor am 10.September 1919dieEigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. An ihre Stelle trat eine zweite Hilfs-banknote mit dem Datum vom 3V. November 1918. Auch diese Note mußteangesichts der für die Reichsdruckerei bestehenden Unmöglichkeit, die für dengesteigerten Zahlungsverkehr erforderliche Menge an Geldzeichen zu beschaffen,unter Inanspruchnahme von Privatdruckereien angefertigt werden und wardaher gegen Fälschungen nicht so gut gesichert wie die übrigen Reichsbanknoten.Sie verfiel der Einziehung und verlor am 31. Januar 1921 ihre Eigenschaft alsgesetzliches Zahlungsmittel. Schon im Jahre 1919 wurde daher die Herstellungeiner weiteren neuen 50-Mark-Note in Angriff genommen, und zwar nach einembesonderen von der Druckerei der Österreichisch-Ungarischen Bank erfundenenVerfahren. Die teils in Wien, teils in Berlin hergestellten Noten konnten imLaufe des Monats November 1919 in den Verkehr gegeben werden.

Mit der in den folgenden Jahren rasch zunehmenden Entwertung derWährung und der durch sie veranlaßten Preissteigerung wurde trotz aller erdenk-lichen Vorkehrungen der Reichsbank die Versorgung des Verkehrs mit denZahlungsmitteln, deren er bedurfte, immer schwieriger.

Schon im Herbst des Jahres 1920 war die Reichsbank genötigt, zurDeckung des Zahlungsmittelbedarfes zwei weitere Reihen der Hilfsbanknote mitdem Datum vom 24. Juni 1919, von der die beiden ersten Reihen bereits imJahre 1919 ausgegeben waren, in den Verkehr zu setzen, denen sich im Dezemberneue Reichsbanknoten zu 100, 50 und 10 Mark anschlössen.

Auch der Mangel an kleinem Geld, der sich schon im Jahre 1919 inunliebsamer Weise bemerkbar gemacht hatte, bestand im Jahre 1920, ins-besondere in dessen erster Hälfte, unverändert fort, obwohl das Reichsfinanz-ministerium die' Münzstätten veranlaßt hatte, bis zur äußersten Grenze ihrerLeistungsfähigkeit 5-, 10- und 20-Pfennigstücke aus Metall zu prägen und andie Reichsbank zwecks Überleitung in den Verkehr abzuliefern. Die weitereAusprägung von 1- und 2-Pfennigstücken wurde eingestellt, da die Herstellungs-kosten weit über den Nennwert der Münzen hinausgingen und diese nach wievor von der Bevölkerung dem Verkehr entzogen und anderweitig perwertet wurden.