Die Neichsbank vom Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (1918—1823)
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Dabei kommt die Zunahme der tatsächlichen Belastung der Bank in dieserauf das Dreifache der Ziffer des letzten Friedensjahres gesteigerten Summe derGirobuchungen längst nicht voll zum Ausdruck. Es darf nicht vergessen werden,daß schon die Verbuchung der großen Zahlen die Schreibarbeit erheblich ver-mehrte. Dazu traten die Schwierigkeiten, die sich aus der durch die Entwertungder Mark notwendig werdenden Abrundung der Beträge ergaben. Es gelangerst allmählich, das Publikum und die zahlreich eingestellten ungeübten Hilfs-kräfte der Bank selbst an diese Maßnahmen zu gewöhnen. Die Folge warenerhebliche Unstimmigkeiten, die wiederum neue Arbeitskräfte zur Abstimmungder Bücher nötig machten.
In der Hauptsache war die Vermehrung der Stückzahl der Girobuchungeneine Folge der Inflation und der durch sie bewirkten Beschleunigung der Uni-laufsgeschwindigkeit des Geldes, auch des Giralgeldes. Um die Entwertungzu vermeiden, hoben die Girokunden ihre Guthaben stets auf der Stelle ab oderverwandten sie zu Überweisungen. Zur Bewältigung der gesteigerten Über-weisungsmengen wurden die Einlieferungsfristen beschränkt, Mindestbeträgevorgeschrieben,Sondergebühren für Eilaufträge und dergleichen erhoben. Starküberlastete Bankanstalten schlössen im Einverständnis mit den übrigen Geld-instituten am Orte an einzelnen Wochentagen die Schalter, um Rückstände auf-arbeiten zu können. Als die Privatbanken ihre Provisions- und Zinssätze starkheraufsetzten und schnell höher schraubten, wanderten viele Kunden von ihnenab zur Reichsbank. Ein großer Teil dieser Konten wurde übrigens nach Ein-treten der Markstabilisierung am Jahresschluß wieder aufgelöst. Je stockenderder Überweisungsverkehr infolge Überlastung zu arbeiten begann, desto lebhafterentwickelte sich die Verfügung über Giroguthaben durch bestätigte Reichsbank-schecks, die vielfach an die Stelle von eiligen Überweisungen traten, indem sie mitBahn oder Auto an andere Plätze befördert und umgehend bei der dortigenReichsbankanstalt verwertet wurden. Die Ausfertigung der bestätigten Schecksvervielfachte die Arbeitsleistung der Reichsbank insofern, als mehrfacheBuchungen und besondere Kontrollmaßnahmen notwendig wurden, die in derbargeldähnlichen Verwendbarkeit dieser Schecks begründet waren. Als die Um-laufsgeschwindigkeit des Geldes infolge der Stabilisierung sich verlangsamte,schrumpften die Girogeschäfte schnell zusammen.
Wegen weiterer Angaben über den Giroverkehr (Ziffern der gesamtenGiroumsätze — Einnahmen und Ausgaben —, die Giroübertragungen, die Zahlder Kontoinhaber, die Umsätze und Guthaben der Reichs- und Staatskassen pp.)wird auf Tabellen 20 bis 24 verwiesen.