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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Stabilisierung der Mark

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Die Kreditpolitik der Reichsbank hatte darauf Rücksicht zu nehmen, daß Kreditrationierungbei der herrschenden Kapitalknappheit die Fortführung der deutschen Wirtschaftohne Unterstützung der Reichsbank fast ausgeschlossen war. Dabei mußte dieKredithilfe der Bank natürlich eine Wiederholung von Jnflationserscheinungenunbedingt zu vermeiden suchen. Es war die Bewertung der Mark an denausländischen Plätzen und die Entwicklung des inländischen Preisniveausfortlaufend mit der größten Sorgfalt zu beobachten, um irgendwelche inflatio-nistischen Folgen im Keime ersticken zu können und die Stabilität der Mark auf-rechtzuerhalten. Die Reichsbank sah sich genötigt, ihre Kredite auf die Lebens-notwendigkeit der kreditnehmenden Wirtschaftskreise abzustellen, insbesonderezunächst die allgemeinen und weitgehenden Ansprüche von Handel und Industriegegenüber denen der Landwirtschaft und des Exports zurückzudrängen. Sie warschließlich im Interesse der Währung gezwungen, als im Februar und März desJahres 1924 sich ein gewisses Absinken der Mark gegenüber den ausländischenValuten zeigte, mit dem 7. April 1924 die weitere Ausdehnung der Wechsel-diskontierung vorläufig vollständig zu unterbinden. Der Anlagebestand vom7. April hat dann längere Zeit als Höchstgrenze für die Kreditgewährung derReichsbank gedient, allerdings mit der Maßgabe, daß innerhalb des Gesamt-kontingents, das die Bank sich damit gesetzt hatte, eine sachgemäße Neuverteilungder Kredite auf die einzelnen Wirtschaftskreise vorgenommen wurde.

Die bezeichnete Politik der Bank hatte den erwarteten Erfolg. Zur Be-schaffung von Betriebsmitteln wurden Waren- und Devisenvorräte seitens derWirtschaft in großem Umfange abgestoßen, so daß das Warenpreisniveau einemerkliche Senkung erfuhr. Die Zuteilungsquoten im Devisenverkehr, die fürdie Hauptdevisen zeitweilig bis auf 1 °/° der angeforderten Beträge hatten herab-gesetzt werden müssen, konnten allmählich eine Erhöhung erfahren. Erstmalig mitdem 3. Juni 1924 und seit dem ununterbrochen ließ sich eine volle Zuteilung allerangeforderten Devisen ermöglichen. Hiermit waren zugleich die Auswüchse besei-tigt, die sich auf dem Gebiete des Devisenverkehrs, z. B. inForm vonKonzertanmel-dungen, gebildet hatten, und damit auch die Maßregeln überflüssig geworden, welchedie Reichsbank dagegen hatte treffen müssen (z. B. das Verlangen einer vor-herigen Anschaffung des Gegenwerts der angeforderten Devisen, sowie die Aus-schließungen Zuwiderhandelnder vom Kredit-, Giro- oder Devisenverkehr).

Trotz der offenbaren Erfolge ließ es aber die Gesamtsituation desdeutschen Geld- und Kapitalmarktes in dieser Zeit, wo die Währungs- undNotenbankreform noch nicht zum Abschluß gekommen war, nicht zu, der Kredit-