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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Di» S t a d i I i s i c r u n H der M a r r

Politik der Bank eine andere Richtung zu geben. Die Gestaltung des Waren-preisniveaus und der Zinssätze, sowie unerwünschte Erscheinungen, wie dieNachwirkungen der Frankenspekulation während der ersten Monate des Jahres1924, erforderten nach wie vor die sorgfältigste Beachtung.

Um die Warenbeleihung und die durch sie bedingte Hochhaltung desPreisniveaus noch weiter auszuschalten, hatte die Bank auch im Lombard-verkehr entsprechende Beschränkungen getroffen und die Bekanntmachung vom17. März 1924 (Reichsanzeiger Nr. 75 vom 28. März 1924) veranlaßt, nach derdie Darlehnskassen des Reichs mit Wirkung vom 30. April 1924 für den Verkehrgeschlossen wurden.

Zins- und Spesensätze Schon seit Beginn des Jahres 1924 richtete die Bankleitung im Juteresse

im Bantverkehr

der Schaffung eines breiteren Kreditmarktes außerhalb der Reichsbank ihr be-sonderes Augenmerk auf die Ermäßigung der Zins- und Spesensätze im Bank-verkehr und auf die richtige Verwendung der sogenannten öffentlichen Gelder.Insbesondere suchte sie durch eingehende Verhandlungen mit allen Arten der amGeldverkehr beteiligten Institute die Spanne zwischen Debet- und Kreditzinsenherabzumindern, um die Belastung des Kreditverkehrs außerhalb der Reichsbankden billigen Sätzen der Reichsbank mehr und mehr anzunähern. Die Bank selbstermäßigte im eigenen Giroverkehr die Mindestsalden im allgemeinen ansIVO Rentenmark bzw. Billionenmark. Bei den Bemühuugen, die Verwaltungund Verwendung der Kapitalien, welche sich auf Grund gesetzlichen Zwangesbildeten oder wie die Gelder der Sparkassen und Versicherungsgesellschaften vonjeher einer Einwirkung des Staates unterlegen hatten, nach volkswirtschaftlichenGesichtspunkten zu regeln, ergaben sich große Schwierigkeiten, denn die früherenstrengen Anlagevorschriften waren während der Jnflationsperiode gesetzlich oderim Verwaltungswege vielfach aufgegeben oder gelockert worden, um den In-stituten die Möglichkeit zur Erhaltung ihrer Vermögensbestände zu bieten;andererseits herrschte nach Überwindung der Inflation überall das Bestrebenvor, durch tunlichst gewinnbringende, den Interessen der Allgemeinheit häufigzuwiderlaufende Ausleihungen die entstandenen Vermögensverluste schnell aus-zugleichen. Wenn auch die fortgesetzten Warnungen der Reichsbank vielfachdas nötige Verständnis fanden, so näherte man sich in der Praxis doch dem er-strebten Ziele leider nur langsam.