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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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vorGefängniss nicht unter Einem Monat retten, als dass er stattbestimmte Namen zu beschuldigen, allgemein dieneue Richtungverleumdete, welche keine juristische Persönlichkeit hat, und deshalbauch nicht zu klagen im Stande ist.

Gegenüber einem Gegner, der selbst die eben dargelegten Mit-tel nicht scheut, wird aber der Leser nicht nur meine oben ausge-sprochene Befüchtung, sondern auch manchen anderen scharfen Ton,der sich in meine Entgegnung eingeschlichen haben mag, gerecht-fertigt finden. Bei solchem Sachverhalt wird er ferner auch be-greifen, wenn ich nach Würdigung der Leistung des Herrn Bam-berger auch aus allgemeineren, als den besprochenen persönlichenGründen, mehr zu melancholischen Betrachtungen als zu Frohlockengeneigt bin.

Oder sollte man nicht von Unmuth erfasst werden, dass heuteder Stand der ökonomischen Wissenschaft in Deutschland der ist, dasses noch nöthig ist, von Angriffen, wie die erörterten des HerrnBamberger, überhaupt Notiz zu nehmen? In keiner anderen wissen-schaftlichen Disciplin wäre es gegenüber Angriffen, wie sie Herr B.auf meine Arbeiten unternommen hat 1 , nothwendig gewesen, auchnur die Feder zu rühren: denn jeder, der in anderen Wissenschaf-ten sich ein Urtheil erlaubt, ist als Regel so disciplinirt, dass er ohnebesonderer Nachhülfe zu bedürfen, Angriffe, wie die hier behandelten,in ihrer ganzen Frivolität sofort erkennen würde. Nun bin ichgewiss weit entfernt zu behaupten, dass Diejenigen, welche sich inDeutschland mit ökonomischen Dingen wirklich wissenschaftlich be-schäftigen, meiner Zurückweisung der Bambergerschen Angriffe nochbesonders bedurft hätten. Aber einmal ist es durch eine eigen-thümliche Entwickelung dahin gekommen, dass heute in Deutsch-land eine zumeist aus Journalisten und Vertretern der Unternehmer-interessen bestehende Coterie in ökonomischen Dingen die öffentlicheMeinung bestimmt und durch ihrUrtheil denProducten ihrer Genossen inden Augen des Publikums wissenschaftlichen Charakter verleiht. Sowurde auch das Buch des Herrn Bamberger alswissenschaftlicheLeistung und alsmeisterhaft angepriesen, eine Verleihung derwissenschaftlichen Meisterschaft, die nach unserer eingehenden Prü-fung des Meisterstücks keine grosse Meinung über das wissenschaft-liche Urtheil der Verleiher hervorrufen dürfte. Sodann aber ist einweiterer Missstand der ökonomischen Wissenschaft im Vergleich mitanderen wissenschaftlichen Disciplinen die Ursache, dass es in ihr