Druckschrift 
Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

den. Die Aegyptier, die Juden, die Griechen, die Römer hattenihre Feiertage; der Hindu hat seine Feiertage; der Muselmann hatseine Feiertage; es gibt Feiertage in der griechischen Kirche, Feier-tage in der römischen Kirche, Feiertage in der englischen Kirche.Ist es nicht ergötzlich, einen Gentleman zuversichtlich erklären zuhören, jede Gesetzgebung, welche die Arbeit Erwachsener beschränke,müsse verhängnissvolle Folgen für die Gesellschaft nach sich ziehen,ohne einmal zu bedenken, dass es in der Gesellschaft, in der erlebt, und in jeder andern Gesellschaft, die da besteht, oder jemalsbestanden hat, eine solche Gesetzgebung ohne irgend eine üble Folgegegeben hat? Es ist wahr, dass eine puritanische Regierung inEngland und eine atheistische Regierung in Frankreich die altenFeiertage als abergläubisch abschaffte. Aber diese Regierungen er-kannten es als unbedingt nothwendig, neue Feiertage einzuführen.Bürgerliche Festtage wurden an die Stelle religiöser Festtage gesetzt.Ihr werdet unter den Verfügungen des langen Parlamentes ein Ge-setz finden, welches bestimmt, dass, an der Stelle der Tage derRuhe und Ergötzung, welche das Volk gewohnt gewesen war, zuOstern, Pfingsten und Weihnachten zu feiern, der zweite Dinstagjedes Monats dem Arbeitsmann gegeben werden solle, und dassjeder Lehrling, der am zweiten Dinstag irgend eines Monats zurArbeit genöthigt würde, seinen Meister vor eine Magistratspersonbringen könne. Die französischen Jakobiner beschlossen, dass derSonntag nicht länger ein Ruhetag sein solle; aber sie führten einenandern Ruhetag ein, die Decade. Sie schafften die Feiertage derrömisch-katholischen Kirche ab; aber sie führten eine andere Artvon Feiertagen ein, die Sanscullottiden, Einen dem Genie geweiht,Einen der Industrie, Einen der Meinung u. s. w. Ich sage daher,dass der Gebrauch, die Arbeitszeit der Erwachsenen durch Gesetzzu beschränken, so fern davon ist, ein unerhörter und monströserGebrauch zu sein, wie einige Gentlemen zu glauben scheinen, dasser (vielmehr) ein so allgemeiner Gebrauch ist, wie das Tragen vonKleidern, wie die Benutzung der Hausthiere.

Und hat sich dieser Gebrauch durch Erfahrung als schädlicherwiesen? Nehmen wir das Beispiel, mit dem wir am vertrautestensind. Untersuchen wir, welches die Wirkung jener Gesetze gewesenist, die in unserm eignen Vaterlande die Arbeit der Erwachsenenauf sechs Tage unter je sieben beschränken. Es ist ganz unnöthig,die Frage zu erörtern, ob Christen, durch ein göttliches Gebot, denSonntag zu beobachten verpflichtet sind, oder nicht. Denn es istklar, dass, mag nun unser wöchentlicher Feiertag von göttlicheroder von menschlicher Einsetzung sein, die Wirkung auf die zeit-lichen Interessen der Gesellschaft immer dieselbe sein wird. Nun,findet sich in der ganzen Rede meines ehrenwerthen Freundes desMitgliedes für Sheffield ein einziges Argument, das nicht geradeebenso stark gegen die Gesetze, welche die Beobachtung des Sonn-