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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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könnt sie nicht abhalten, den ganzen Sonntag in ihrer Dachkammerzu nähen und zu säumen. Aber ihr haltet das nicht für einenGrund, den Covent-Garden-Markt und den Leadenhall-Markt undden Smithfield-Markt, und die ganzen Läden von Mile-End bisHyde-Park den ganzen Sonntag offen zu lassen. Ja, diese Fabriken, überdie wir debattiren, schlägt irgend Jemand vor, dass ihnen ge-stattet sein solle, den ganzen Sonntag zu arbeiten? Sehet, wie in-consequent ihr seid. Ihr haltet es für ungerecht, die Arbeit desFabrikkindes auf zehn Stunden des Tags zu beschränken, weil ihrdie Arbeit der Nähterin nicht beschränken könnt. Und doch sehtihr keine Ungerechtigkeit darin, die Arbeit des Fabrikkindes, ja unddes Fabrikmannes, auf sechs Tage in der Woche zu beschränken,obschon ihr die Arbeit der Nähterin nicht beschränken könnt.

Aber ihr sagt, durch Beschützung einer Classe würden wirdie Leiden aller der Classen verschlimmern, die wir nicht be-schützen können. Ihr sagt das; aber ihr beweist es nicht, und alleErfahrung beweist das Gegentheil. Wir schreiten am Sonntag einund lassen die Läden schliessen. Wir schreiten nicht gegen dieArbeit der Hausmagd ein. Aber haben die Londoner Hausmägdeam Sonntage schwerere Arbeit, als an anderen Tagen? Factischfindet notorisch das Gegentheil statt. Denn eure Gesetzgebunghält das Gefühl des Publicums in der rechten Richtung, und be-schützt so indirect diejenigen, die sie nicht direct beschützen kann.

Will mein ehrenwerther Freund das Mitglied für Sheffield be-haupten, dass das Gesetz, das die Zahl der Arbeitstage beschränkt,der arbeitenden Bevölkerung nachtheilig gewesen ist? Ich bin ge-wiss, dass er es nicht wird. Wie kann er da von mir erwarten,dass ich glauben soll, ein Gesetz, das die Zahl der Arbeitsstundenbeschränkt, müsse nothwendig der arbeitenden Bevölkerung nach-theilig sein? Gleichwohl scheint er und Diejenigen, welche mit ihmübereinstimmen, sich über unsre Beschränktheit zu wundern, weilwir nicht sofort die Wahrheit der Lehre zugeben, die sie über diesenGegenstand vortragen. Sie raisonniren so. Wir können die Zahlder Arbeitsstunden in Fabriken nicht reduciren, ohne den Betragder Production zu reduciren. Wir können den Betrag der Produc-tion nicht reduciren, ohne den Lohn des Arbeiters zu reduciren.Mittlerweile werden Ausländer, denen es freisteht, zu arbeiten, bis sie beiihren Webstühlen todt daniederfallen, uns bald von allen Märkten derWelt vertreiben. Die Löhne werden schnell heruntergehen. Die Lageunsrer Arbeitsleute wird weit schlechter sein, als sie ist, und unsreunweise Einmischung wird, wie die unweise Einmischung unsrer Vor-fahren in den Verkehr des Getreidemäklers und des Geldverleihers,die Noth derselben Classe vergrössern, der wir zu helfen wünschen.

Nun, Sir, ich gebe vollkommen zu, dass eine solche Beschrän-kung der Arbeitsstunden möglich wäre, welche die üblen Folgennach sich ziehen würde, mit denen wir bedroht werden, und das ist,

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