Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Massenherstellung der Handschriften.

sErstes

Götter 2 den Stoiker Balbus dem Epikuräer Vellejus entgegnen:Dasoll ich mich dann nicht wundern, daß jemand sich einbilden kann, eineAnzahl von festen und unteilbaren Körpern könne durch Schwerkraft zu-sammengebracht und aus ihrem zufälligen Zusammentreffen eine pracht-volle und wunderschöne Welt gebildet werden? Wer glaubt, daß dieshabe geschehen können, von dem begreife ich nicht, warum er nicht auchglauben sollte, daß, wenn man an irgend einem Platze unzählige Formender 21 Buchstaben (von Gold oder andern: Stoffe) zusammenwürfe undauf die Erde schüttete, dadurch die Annalen des Ennius hervorgebrachtund lesbar dargestellt werden könnten. Wahrlich, ich glaube, nicht ein-mal einen einzigen Vers vermöchte der Zufall so zusammenzuwürfeln."

Auch im Mittelalter schnitt man lange Zeit Schrift erhaben in Holz,Metall und Steine, ehe man auf den Gedanken geriet, solches Ein-schneiden in verkehrter Richtung vorzunehmen und zum Abdruck zu be-nutzen.

Wie bedeutend nun aber selbst ohne den Buchdruck die handschrift-liche Herstellung von Büchern war, mögen ein paar Beispiele beweisen.Als Augustus das geistliche Supremat mit dem weltlichen vereinigte,konfiszierte er von einer einzigen, allerdings eifrig gesuchten Handschrift,den sogenannten Pseudosibyllen, nicht weniger als 2000 Exemplare. ^Das dreizehnte Buch der Xenien Martials, welches aus 274 Versenund 127 Überschriften besteht, verkaufte der Verleger Trhphon siir4 Sesterzen oder 54 Pfennige. Martial findet das zu viel und ver-sichert, es könne füglich für die Hälfte, also für 27 Pfennige verkaustwerden, und selbst dann werde es dem Verleger noch einen bedeutendenGewinn abwerfen. Diese Ximien füllen im engen Druck der Teubner-schen Stereotypausgabe gerade einen Druckbogen. Martial sagt vonseinem zweiten Buche, welches 93 Epigramme, zusammen 540 Verseenthält, daß der Verleger in einem Tage 1000 Exemplare fertig stelle. °Hatte nämlich ein solcher über 100 Schreiber zu verfügen und rechnetman von zehn täglichen Arbeitsstunden je eine auf die Niederschrift eineskleinern Werkes, so konnte allerdings innerhalb jener Zeit mittels Diktatseine Zabl von 1000 Exemplaren angefertigt werden.

Auch in Rom erhielten die Schriftsteller von den Buchhändlern keinHonorar, wenigstens gibt es keine Stelle, aus welcher man daraufschließen könnte. ° Cicero erwähnt in seinen, selbst die kleinsten Einzel-