Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Kapitels

Stempelschnitt im Altertum.

7

oder Metall einzuschneiden und mittels einer Farbe abzudrucken oder ineine weiche Masse einzudrücken; allein es verstand nicht, diese Kenntnisfolgerichtig weiter zu entwickeln. Nach Herodot trug jeder Babhloniereinen Siegelring. Scipio Africanus soll der erste gewesen sein, welchersein Siegel in einen Sardonix schneiden ließ. Der Kaiser Augustus versiegelte seine Briefe und Urkunden mit einer Sphinx. Ebenso hattendie Alten metallene Stempel, in welche die Worte in verkehrter Rich-tung erhaben eingeschnitten waren, zum Zeichnen der Sklaven, des Viehs,des Brotes und der Töpferwaren. Das Gesetz der Decemvirn wurdein zehn eherne Tafeln eingegraben. Daß sie den anscheinend so leichtenweitern Schritt zum Druck nicht thaten, ist um so mehr zu verwundern,als das Abdrücken von verkehrter Schrift schon von Agesilaus, demKönig der Spartaner, in Anwendung gebracht und diese Methode weitun breit bekannt wurde. Plutarch erzählt nämlich in den lakonischenSentenzen, daß der genannte König vor dem Beginn einer Schlacht denMut seiner Krieger durch folgende List belebt habe: er ließ das Opferzurichten, schrieb sich heimlich mit schwarzer Tinte das WortSieg" inverkehrter Richtung auf die flache Hand, trat dann zum Altar, um inden Eingeweiden des Opfers zu forschen, ergriff rasch die Leber desTieres, drückte sie mit der Hand und schien in tiefes Sinnen versunken,als er plötzlich mit Begeisterung zu erwachen sich anstellte und seinenSoldaten das WortSieg" auf der Leber als ein Wunderzeichen derGottheit vorwies.

Die Römer schnitten außerdem einzelne Buchstaben aus Elfenbein,um sie den Kindern, die lesen lernen sollten, zum Spielen zu geben.Der heilige Hieronhmus riet dieselbe Methode noch gegen Ende des4. Jahrhunderts der römischen Dame Laeta zum Unterricht ihrerTochter Paula an.Man mache ihr", sagt er,Buchstaben von Buchsoder von Elfenbein und benenne sie mit ihren Namen. Man lasse siemit denselben spielen, damit das Spiel selbst zum Unterricht werde.Man werfe die Buchstaben oft untereinander, die letzten unter jene ausder Mitte und mische diese unter die ersten, damit sie dieselben nichtnur dem Namen nach, sondern auch der Form nach kennen lerne."Niemand aber verfiel auf den Gedanken, daß man mit diesen einzelnenBuchstaben Worte zusammensetzen und diese miteinander verbinden undabdrucken könne. Cicero läßt in seinem Werke über die Natur der