Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

Kapitels

Die Zeit der Verwüstung. Die Klöster.

II

Ewigen Stadt in einem einzigen Ansturm zu brechen, höchstens daß sichallmählich die Herstellung der Handschriften der Masse nach vermindert,weil die unruhigen kriegerischen Zeiten die Pflege geistiger Interessenimmer weniger gestatteten. Erst der Sturz des Gotenreiches begrubdie reiche antike Welt von Schönheit, Pracht und Geist in Schutt undAsche; erst jetzt zertrat der schwere Fuß des Barbaren oder zertrümmertedie rohe Faust des eindringenden Eroberers die tausendjährigen geistigenSchätze Roms und mit ihnen zugleich diejenigen der ganzen damaligengebildeten Welt. Wie die Lehrer, die Schulen und die Wissenschaften,so gingen jetzt auch die reichen Bibliotheken in dem allgemeinen Ruinmit unter. Denn in den furchtbaren Katastrophen, welche Rom getroffenhatten, konnten seine zahlreichen Bücherscimmlungen, welche noch dieXotitia, Drdis" hier aufzählte, konnten die und vlig,, oder

die privaten Bibliotheken fürstlicher Paläste, wie sie z. B. Boethius undSymmachus besaßen, nimmer verschont geblieben sein. Und wie in Rom ,so verschlang der Vernichtungskrieg der Goten und Byzantiner auch inganz Italien die kostbaren Schätze der alten Litteratur bis auf solcheÜberbleibsel, welche die glücklicherweise bald entstehenden Klöster desBenediktinerordens zu sammeln und zu retten vermochten.'-'

Natürlich lahmte dieser, Jahrhunderte dauernde Rückfall in die Bar.barer fast alle geistige Thätigkeit. Ein Zeitalter, welches das nackteLeben gegen die Barbaren verteidigt, bedarf keiner Handschriften, gcschweige denn ihrer gewerbmäßigen Anfertigung zu Tausenden. Amlängsten hielten sich die Nachwirkungen des klassischen Altertums in Ita-lien und giugeu hier uie ganz verloren; allein ein halbes Jahrtausendverfloß, bis sich die Anfänge einer andern Ordnung der Dinge langsamwieder aus den Ruinen erhoben. Zunächst waren es die christlichenKlöster, welche die ersten Keime eines neuen geistigen Lebens pflegtenund ihren Vermittlern eine gastliche Stätte boten. Auch das Hand-schriftenwesen trat in den Dienst der Kirche. Da sie von Anfang anwenigstens einige geschriebene Bücher brauchte, so beschäftigte sie ihreschreibkundigen Mönche mit der Anfertigung von Abschriften, welche zu-gleich dem zurückgezogenen und einförmigen Leben des Klosters den Cha-rakter der Muße uud Mithätigkeit nehmen sollte. Der Fleiß ihrer Federnbeschaffte allmählich die bescheidenen Anfänge der Klosterbibliotheken, welcheden Handschriftenhandel in der vom Altertum betriebenen Ausdehnung