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Weltliche Schreiber. Llsrioi.
^Erstes
führte, die Korrektheit der Abschriften überwachte und zugleich derenPreise bestimmte. Die Brüder waren besonders im Norden und Nord-westen Deutschlands thätig und hatten unter anderm um die Mitte des15. Jahrhunderts auf dem Maria-Leuchtenhof in Hildesheim so vielMeßbücher zu schreiben, daß sie daran einschließlich des Einbandesüber 1000 Gulden verdienten" (also wenigstens 20000 Gulden nachheutigem Geldwert).
Diejenigen Schreiber endlich, welche im spätern Mittelalter Olsrioiheißen, hatten mit dem eigentlichen Handschriftenhandel nichts zu thunund bekleideten auch keine geistliche Würde. Man gab ihnen einfachdiesen Titel, weil die Geistlichen im frühen Mittelalter als die einziglitterarisch gebildeten Männer fast ausschließlich schrieben und weil dieWeltgeistlichen oft sogar ihren Lebensunterhalt als Lohnschreiber suchten.Das ist der Ursprung des Namens. Später bezeichneten die Rechts-gelehrten auch denjenigen als einen (ülsrious, welcher nach ihrer An-weisung schrieb und abschrieb. Gegen Ende der hier in Betracht kommen-den Periode wird der Stadt- und Gerichtsschreiber, auch der Notar viel-fach als Llsrions angeführt. In den Urkunden jener Zeit finden sichhäufig die Ausdrücke Llsrioi uxur^ti oder eon^ußMi, also verheirateteMänner, welche mit geistlichen Pflichten nichts zu thun hatten. DieAngabe über ihren Ehestand findet sich vielfach in der Beglaubigungs-formel, mit welcher die notariellen Urkunden zu schließen pflegten. Soheißt es z. B. in einer solchen vom 11. Mai 1330: „^Ibc-^us Äe ü-^ls,6iotus cis Lolonis., in OxxsnKöiiQ eowinc)rg.ll8, olerieus eoi^ugklns,xudiious imxsriali g-nowrits-ts elsrious." Unterm 11. November 1403nennt sich Heilmannus, genannt Gratis von Drhdorff: „elig clerigTrierer Bischtoms, von des Keisers gewalt, eyn offenbar schreiber".Bornehme und reiche Männer hielten sich ihren Llsrious, OlsrK, (^Isro,Pfaffen oder Pagen, der ihre Briefe las und schrieb. Die letztere Be-zeichnung spricht dafür, daß ursprünglich der Geistliche der alleinigeSchreiber gewesen war, und daß erst später das Geschäft allmählich ganzauf Nichtgeistliche überging. Der demnächst anzuführende Dr. KonradHumerh in Mainz wird in den Urkunden jener Zeit „der Stadt Pfaffund Jurist", auch (üanokllor geucmnt. Anknüpfend an sein früheres Ge-werbe als Schreiber nennt sich Ulrich Zell, der erste Drucker in Köln ,auf verschiedenen seiner Werke Llerieus aus Hanau in der Diöcese Mainz .