Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

Florenz als Handschriftenmarkt.

^Erstes

Florenz. Als Cosimo von Medici die Laurentiana dort gründete, konnteer die für sie bestimmten Werke nicht kaufen und mußte sie abschreibenlassen. So nahm denn der von ihm beauftragte Buchhändler Vespa-siano di Bisticci sofort 45 Kopisten in seinen Dienst und schuf innerhalb22 Monaten eine Sammlung von 2(X) Bänden, welche alle bedeutender«Werke des römischen Altertums und der kirchlichen Litteratur enthielt.Nebenher ging die Ansammlung der Mediceischen Haus- und Privat-bibliothek, welche an Bedeutung und Wert jene Stiftungen bald weitüberragte.

Seitdem bildete Florenz auch den Handschriftenmarkt für die gelehrteWelt. In Rom waren die brauchbaren Kopisten so gut wie ausgestorben;wenn es deren dort noch gab, so waren es meist Deutsche und Fran-zosen. Selbst die später von Papst Nikolaus V. erweiterte und eigent-lich erst begründete Vaticana vermochte an diesem Verhältnis wenig zuändern. Buchhändler gab es in jeder größern Stadt; indessen handeltensie vorzugsweise mit Psaltern, Schulbüchern und den nächsten Bedürf-nissen des Klerus. Nur in Florenz wurden alte Handschriften oder vongelehrter Hand redigierte Abschriften der Klassiker in offenen Läden feil-geboten; nur hier konnte ein Vesvasiano di Bisticci erwachsen, der ersteBuchhändler im großen Sinne, welchen die Neuzeit kannte und Voigtso gut geschildert hat. Seine Bude wurde bald der Sammelplatz fürdie Männer der Litteratur, welche hier ihre Börse abhielten und zu be-stimmten Tageszeiten ihre Streitfragen verhandelten. Er wußte immer,was selten und gemein, wo Exemplare zu entleihen und zu verkaufenwaren, welchen Umfang und welche Teile ein Buch hatte, und wie es imPreise stand. Für solche Fragen war er das Orakel, an welches mansich aus allen Ländern der Kulturwelt wandte. Päpsten, Königen undGelehrten wies er darin die Wege. Ihm standen dafür, wenn eineAbschrift bestellt wurde, die besten Exemplare aus den BüchcrschätzenNiccolis und Cosimos zu Gebote. Sein Geschäft wuchs immer groß-artiger an; er hatte Schreiber in Menge zur Verfügung und vermochteden größten Bestellungen in kurzer Zeit zu genügen. Schon um dieMitte des 15. Jahrhunderts war er der König der Buchhändler fürItalien und die andern Völker.In Italien ", sagte damals der DichterJanus Pannonius ,kann man Bücher haben, soviel man will; schickt nurGeld nach Florenz , Vespasiano allein wird für das Weitere sorgen." So